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Beleuchtung 2026: ARRIs Comeback, Bluetooth Mesh und die stille Revolution der LED-Bars


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Wer in den letzten Jahren genau hingeschaut hat, dem ist aufgefallen: Die spannendsten Lichtdiskussionen am Set drehen sich nicht mehr um Output oder Farbtemperatur. Sie drehen sich um Steuerung, Pixelzonen und um die Frage, ob die schicke neue Bar das Setup vereinfacht oder den Ton-Ingenieur wahnsinnig macht. 2026 hat das Thema einen ordentlichen Schub bekommen, und gerade gestern hat ein Branchen-Schwergewicht ein Lebenszeichen abgegeben, das die Debatte neu einsortiert.

Wo LED-Beleuchtung 2026 steht
Drei Beobachtungen vorweg, die wir alle teilen dürften: Erstens, traditionelle Leuchtmittel sind im Broadcast-Alltag praktisch verschwunden. Hersteller haben ihre konventionellen Lampen-Fixtures eingestellt, was zu sehen ist, ist fast ausschließlich LED. Ausnahmen sind die großen HMIs (18K und Spezialanwendungen) und Fixtures, die optische Eigenschaften brauchen, die LEDs noch nicht liefern. Fluoreszenz-Lampen sind durch das Quecksilber-Verbot in der Auslaufphase, die letzten Bestände werden langsam aufgebraucht.

Zweitens, der Akkubetrieb ist Standard geworden. Was vor fünf Jahren noch ein Premium-Feature war, gehört heute selbstverständlich dazu, vom kleinen Aufstecker bis zur ausgewachsenen Bar.

Drittens, die spannendste Entwicklung passiert in einer Produktkategorie, die es im klassischen Broadcast-Alltag lange kaum gab: kompakte, modulare LED-Bars. Genau dort spielt 2026 die Musik.

ARRI ist zurück: Die Omnibar-Serie
Die Schlagzeile zuerst: ARRI hat heute, am 5. Mai 2026, die Omnibar-Serie offiziell vorgestellt, die erste eigene LED-Bar des Münchner Herstellers. Verfügbar in 2 und 4 Fuß Länge, mit eingebautem Akku, IP65-Wetterschutz, CRI 98 Vollspektrum-Output, einer RGBAM-5-Farb-Engine von 1700 K bis 20.000 K und bis zu 32 einzeln adressierbaren Pixelzonen.

Bemerkenswerter als die Specs ist das Drumherum. Der Launch fällt zusammen mit ARRIs öffentlichem Bekenntnis zum Lighting-Geschäft unter dem neuen Eigentümer Thomas Riedel. Managing Director Chris Richter hat in einem NAB-2026-Interview deutlich gemacht, dass ARRI verlorenes Terrain im Beleuchtungsbereich durch eine ganze Serie neuer Produkte zurückerobern will.

Für alle, die es verpasst haben: Die Riedel-Übernahme von ARRI war eines der großen Branchen-Themen der letzten Monate. Die Sorge war, dass das Lighting-Segment im Schatten der Kameras stehen würde. Mit Omnibar als erstem klaren Statement passiert nun das Gegenteil.

Die ehrliche Einordnung: ARRI tritt damit in eine Kategorie, die jahrelang von Astera (Titan tubes, AX2 PixelBar), Aputure (INFINIBAR) und Nanlite (PavoTube) geprägt wurde. Bemerkenswert ist, dass die RGB-plus-Amber-plus-Mint-Kombination der Omnibar genau die LED-Engine spiegelt, die in Asteras Titan-Tubes seit Jahren als Maßstab gilt. ARRI greift also gezielt das Segment an, in dem Astera am stärksten ist.

Beim Preis bleibt ARRI ARRI. Das Omnibar Creator Set kostet 850 Dollar (rund 650 Euro), das Omnibar 2 Set 1150 Dollar (690 Euro), das Omnibar 4 Set 1400 Dollar (890 Euro). Zum Vergleich: Eine Nanlite PavoTube II 15C kostet 153 Dollar, eine Aputure INFINIBAR PB6 479 Dollar. Wer eine Astera Titan Tube kennt, ordnet das Preisniveau ungefähr dort ein, ARRI zielt nicht auf den unteren Markt, sondern auf die Profi-Mittelklasse.

Das eigentliche Thema: Bluetooth Mesh als neuer Standard
Hinter all den schicken Specs versteckt sich der eigentlich interessante Teil. ARRI hat ein eigenes Bluetooth-Mesh-Protokoll entwickelt, das mit Bluetooth 5 arbeitet. Damit lassen sich mehrere Omnibars synchron ansprechen, was nach ARRIs Aussage so mit Bluetooth bisher nicht möglich war.

Warum ist das wichtig? Klassisches Bluetooth ist für die Steuerung mehrerer Geräte schlicht zu langsam und paketverlustanfällig. Wer zehn Bars synchron auf einen Cue ansprechen will, ist mit DMX über Kabel oder CRMX (kabelloses DMX) viel besser bedient. Genau deshalb haben sich diese Standards im Profi-Bereich gehalten.

Bluetooth Mesh ändert das Bild. Aputure hat das schon vor Jahren mit der Sidus-Link-App vorgeführt, ARRIs neuer Ansatz hebt das Konzept auf eine neue Stufe. Praktisch bedeutet das: Du baust dein Setup auf, koppelst die Bars per Bluetooth zu einem Mesh-Netzwerk, und kannst dann von der App aus alles steuern, auch über größere Distanzen, ohne dass du eine eigene Funkstrecke brauchst.

CRMX und DMX bleiben trotzdem an Bord. Die Omnibar unterstützt nach wie vor LumenRadio TimoTwo CRMX, kabelgebundenes DMX und Onboard-Steuerung. Bluetooth Mesh ist die zusätzliche Option, nicht der Ersatz. Das ist die richtige Strategie, weil im AÜ-Setup mit dreißig Lampen niemand auf eine reine App-Lösung wechseln will.

RGBAM, RGBACL und der Abschied von RGBW
Wer die letzten zehn Jahre vor allem RGBW-Lampen gekauft hat (Rot, Grün, Blau, Weiß), wird sich über das wachsende Buchstaben-Wirrwarr neuer Engines wundern. Kurze Übersetzung: Hersteller mischen zunehmend zusätzliche LED-Farben hinzu, um Hauttöne und Pastellfarben sauberer abzubilden.
 

  • RGBW ist der klassische Vier-Farben-Mix, hat über Jahre als Standard gedient.
  • RGBAM ergänzt Amber und Mint, was für wärmere Hauttöne und natürlichere Pastelle sorgt. ARRI Omnibar nutzt diese Engine.
  • RGBACL ist die Königsklasse mit sechs Farben (Rot, Grün, Blau, Amber, Cyan, Lime). ARRI SkyPanel X arbeitet damit.


In der Praxis macht der Unterschied vor allem bei Hauttönen einen sichtbaren Sprung. Ein RGBW-Wash bei 3200° K kann auf einem skeptischen Kameramonitor schnell grünstichig wirken, während eine RGBAM- oder RGBACL-Lampe das Problem mechanisch nicht hat. Wer schon einmal eine RGBW-Lampe für ein Tageslicht-Interview umfärben musste und sich gewundert hat, warum der Hauptdarsteller plötzlich aussieht wie nach drei Tagen Magen-Darm-Grippe, kennt das Thema.

Für klassische Studio-Setups, die mit ausgewogenem Tageslicht oder definierter Kunstlicht-Mischung arbeiten, ist der Unterschied weniger drastisch. Wer aber mobil dreht und schnell zwischen Lichtsituationen wechseln muss, wird die zusätzlichen Farbkanäle schätzen lernen.

Pixelzonen und In-Camera-Effekte
Ein Buzzword, das auf jeder neuen Bar prangt: Pixelzonen. Bei der Omnibar 2 sind es 16, bei der Omnibar 4 ganze 32 individuell ansteuerbare Segmente. Praktisch bedeutet das, dass eine einzelne Bar nicht mehr nur als Wash funktioniert, sondern als animierter Streifen mit programmierbaren Lauflichteffekten, simulierten Polizei-Blaulichtern, Feuerflackern oder Bildschirm-Imitation.

Was ist davon EB-Alltag? Ehrlicherweise: nicht viel. Im klassischen Magazin-Beitrag spielen pixelanimierte Hintergrundlichter selten eine Rolle. Wie ARRI selbst zugibt, hängt die wahrgenommene Glätte einer Pixel-Animation ohnehin so stark von Diffusion und Distanz zur Kamera ab wie von der reinen Zonenanzahl.

Wo das Thema interessant wird: Studio-Sets mit aufwendigem Bühnenbild, AÜ-Anwendungen bei Konzerten und Sport, sowie Drehs, bei denen ein konkretes In-Camera-Effekt-Element gefragt ist (etwa simulierte Sirenen für eine Reportage über die Polizei). Wer das nicht regelmäßig braucht, kauft die Pixelzonen mit, ohne sie nennenswert einzusetzen.

Was das für EB- und AÜ-Teams konkret bedeutet
Drei praktische Punkte, die mehr verändern als die Buchstabenkürzel auf den Datenblättern:

IP65 wird zum erwarteten Standard. Was lange das Premium-Argument einzelner Hersteller war, ist mittlerweile in fast jedem Profi-Datenblatt vermerkt. Die ARRI Omnibase, der Power-und-Daten-Hub für die Omnibar-Serie, ist IP65 mit oder ohne eingesteckte Kabel zertifiziert. Der direkte Konkurrent, die Astera Powerbox, hat diese Zertifizierung nicht, was bei Außendrehs in jedem Schauer ein praktisches Problem ist. Wer 2026 eine Bar oder ein Distributions-System anschafft, sollte IP65 auf der Liste haben.

Akkubetrieb wird Standard, aber Hot-Swap nicht überall. Eingebaute Akkus sind angekommen, aber bei langen Drehtagen entscheidet die Frage, ob du den Akku wechseln kannst, ohne die Lampe komplett auszuschalten. Das ist im AÜ-Bereich Pflichtkriterium, im klassischen EB-Setup oft Komfort.

Die Steuerungs-App wird zum Werkzeug. Was vor fünf Jahren noch eine Spielerei für Ein-Mann-Drehs war, ist im Profi-Setup angekommen. Sidus Link, Astera App, ARRI Companion und vergleichbare Apps machen aus dem Smartphone ein vollwertiges Lichtsteuerpult, zumindest für mittelgroße Setups. Wer mit klassischer DMX-Pultlogik aufgewachsen ist, sollte sich damit beschäftigen, statt es als Spielzeug abzutun.

Fazit
Die spannendste Lichtdiskussion 2026 findet im Bar-Segment statt, und ARRIs Omnibar ist der Auslöser, nicht der Endpunkt. Drei Empfehlungen:

Wenn du im klassischen EB-Bereich arbeitest: Bars sind keine Pflicht, aber zunehmend nützlich. Eine kompakte 2-Fuß-Bar als zusätzliche Lichtquelle in der Tasche kann ein ENG-Setup, sorry, ein EB-Setup an Locations retten, an denen klassisches Aufstellen schwierig ist. Nanlite PavoTube oder Aputure INFINIBAR sind preislich attraktive Einstiegsmodelle.

Wenn du im AÜ-Bereich oder mobilen Studio-Bereich arbeitest: Hier wird die Wahl ernsthafter. Astera Titan-Tubes sind seit Jahren Branchenstandard, Aputure INFINIBAR und ARRI Omnibar fordern das jetzt heraus. IP65, Bluetooth Mesh und Hot-Swap sind die Kriterien, an denen sich entscheidet, was 2027 noch zeitgemäß ist.

Wenn du klassisches Studio-Licht stellst: Der Bar-Trend trifft dich am wenigsten. SkyPanel-Klasse, Orbiter, klassische Fresnel-LED-Konversionen bleiben das Rückgrat. Aber: Auch dort lohnt sich der Blick auf die neuen Farbengines (RGBAM, RGBACL), wenn ohnehin gerade Investitionsentscheidungen anstehen.

Das eigentliche Resümee: Lichtsetzen ist ein Handwerk geblieben. Was sich verändert hat, ist die Geschwindigkeit, mit der wir Setups bauen, anpassen und wieder einpacken können. Wer 2026 noch denkt, eine LED-Bar sei eine Spielerei für Influencer, hat den Anschluss an die Mittelklasse seines eigenen Berufs verloren.

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