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Dana Harrison, designierte CEO des weltweiten Vermietungsgeschäfts

Liebe Kollegen,

während die Branche noch über die ESC-Premiere der ALEXA 35 Live diskutiert, hat ARRI heute den nächsten strategischen Paukenschlag gesetzt. Das Münchner Unternehmen verkauft sein globales Rental-Geschäft in Europa, Großbritannien und Nordamerika an den britischen Investor H2 Equity Partners. Illumination Dynamics bleibt bei ARRI und ist von der Transaktion ausgenommen. Der Deal läuft als Management Buy-out, geführt vom bisherigen britischen Rental-Führungsteam um Dana Harrison, Russell Allen und Tamim Essaji. Finanzielle Details wurden nicht genannt.

Die offizielle Begründung
ARRI nennt als Kernargument einen strukturellen Interessenkonflikt: Als Hersteller beliefert man weltweit Kunden und Partner, von denen einige mit dem eigenen Rental-Geschäft konkurrieren. Wer gleichzeitig Kameras baut und vermietet, sitzt zwangsläufig auf beiden Seiten des Tisches. Mit dem Verkauf will sich ARRI künftig auf Entwicklung, Produktion und Vermarktung von Kamera-, Licht- und Software-Technologien konzentrieren und sich als unabhängiger, neutraler Technologiepartner positionieren.

Thomas Riedel, seit der Übernahme Eigentümer von ARRI, spricht von einem Meilenstein der strategischen Transformation. Man wolle Investitionen gezielter in Technologieentwicklung und neue Wachstumsfelder lenken.

Warum das mehr ist als eine Portfolio-Bereinigung
Aus der Distanz betrachtet ergibt das eine klare Linie. Riedel übernimmt ARRI im Frühjahr, ARRI startet mit dem ESC den Angriff auf das Broadcast-Segment, und nun wird das Rental-Geschäft abgestoßen. Das ist kein Zufall, sondern eine strategische Kette.

Erstens braucht ein Hersteller, der in den Broadcast-Markt einsteigen will, saubere Beziehungen zu den Dienstleistern. Der Weg in die Live-Produktion führt über Firmen wie NEP, TVN, Riedel-Kunden und die großen Vermieter. Wer diesen Firmen als Wettbewerber gegenübersteht, hat es schwerer, sie als Vertriebspartner zu gewinnen. Der Interessenkonflikt, den ARRI in der Pressemitteilung nennt, ist real und im Broadcast-Umfeld sogar noch relevanter als im Kinobereich, weil dort die Ü-Wagen-Dienstleister die eigentlichen Türsteher sind.

Zweitens ist das Rental-Geschäft kapitalintensiv. Man muss Equipment vorhalten, das nicht ständig läuft, man trägt Lager, Wartung, Logistik und Personal. Für ein Unternehmen, das gerade eine Transformation finanzieren und massiv in Live-Systeme investieren will, ist das gebundenes Kapital an der falschen Stelle.

Drittens kann man es auch weniger charmant lesen: ARRI trennt sich von einem Geschäftsbereich, der in Zeiten schwacher Auslastung im Kinosektor unter Druck steht. Weniger große Produktionen bedeutet weniger Anmietungen. Ein Rental-Geschäft in einem schrumpfenden Markt ist kein Wachstumsmotor, sondern ein Klotz am Bein.

Was das für uns bedeutet
Für die tägliche Arbeit ändert sich zunächst wenig. Das Rental-Geschäft läuft unter dem bisherigen Team weiter, ARRI bleibt Technologiepartner, und laut Pressemitteilung sollen Kundenbeziehungen, Standards und Ansprechpartner erhalten bleiben. Die Standardformulierung bei solchen Deals, wohlgemerkt.

Interessanter ist der Punkt, der fast beiläufig steht: Die neue eigenständige Rental-Gruppe wird nach einer Übergangsfrist unter eigener Marke firmieren. Der Name ARRI Rental verschwindet also. Wer in Deutschland, Großbritannien oder Nordamerika ARRI-Equipment mietet, wird das künftig bei einer Firma tun, die anders heißt.

Und noch ein Aspekt für die Zukunft: Ein Rental-Unternehmen im Besitz eines Private-Equity-Investors verhält sich in aller Regel anders als eines im Konzernverbund. H2 Equity Partners beschreibt sich selbst als langfristig orientierter Investor mit unternehmerischem Ansatz. Das ist der Standardtext jeder PE-Gesellschaft. Was in der Praxis passiert, entscheidet sich an Renditezielen, Haltedauer und Exit-Strategie. Erfahrungsgemäß bedeutet PE-Eigentum: Effizienzprogramme, Konsolidierung, mögliche Zukäufe, und irgendwann ein Weiterverkauf. Für Kunden kann das gut ausgehen (mehr Investitionen, breiteres Portfolio) oder eben nicht (Preisdruck, Standortschließungen, ausgedünnte Serviceteams).

Einordnung
Strategisch ist der Schritt nachvollziehbar und aus Riedel-Sicht sogar konsequent. ARRI wird schlanker, fokussierter und als Technologielieferant für die gesamte Branche neutraler. Genau das braucht man, wenn man Sony und Grass Valley im Broadcast-Segment Marktanteile abnehmen will.

Gleichzeitig ist es ein weiterer Baustein in der Zerlegung dessen, was ARRI einmal war: ein integriertes Familienunternehmen, das alles konnte, von der Kamera über das Licht bis zur Vermietung. Was übrig bleibt, ist ein Technologiehersteller in einem Konzernverbund, der sich auf die margenstarken Segmente konzentriert. Ob das eine Gesundschrumpfung oder ein Ausverkauf ist, wird sich zeigen. Vermutlich ist es beides.

Was denkt ihr? Gute Entscheidung, oder verliert ARRI damit den letzten direkten Draht zu den Anwendern?

(Original-Pressemeldung)

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