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Kurz nachdem GoPro mit der Mission-1-Serie versucht hat, ins professionelle Segment vorzustoßen, kommen ernste Nachrichten aus San Mateo: Der Action-Cam-Pionier hat in seinen Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC erhebliche Zweifel an der eigenen Fortführungsfähigkeit offengelegt. Im Fachjargon heißt das "substantial doubt about the ability to continue as a going concern", und es ist genau das, wonach es klingt.

Was passiert ist
Anfang Juni 2026 hat GoPro seinen Jahresabschluss nachträglich aktualisiert. Der Grund: Umstände, die nach der ursprünglichen Einreichung im März eingetreten sind, werfen ernste Fragen zur Liquidität auf. Auch die Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers haben ihrem Bericht den entsprechenden Warnhinweis hinzugefügt.

Der Kern des Problems: GoPro hat anhaltende operative Verluste und negative Cashflows. Dazu kommen Kreditverpflichtungen, die innerhalb der nächsten zwölf Monate fällig werden, sofern bestimmte vertragliche Bedingungen nicht eingehalten werden. Nach eigener Einschätzung erwartet das Unternehmen nicht, genug Liquidität zu haben, um seine Verpflichtungen im kommenden Jahr zu erfüllen.

Besonders pikant ist eine Cross-Default-Klausel in den Kreditverträgen: Ein Zahlungsausfall unter einer Vereinbarung kann automatisch Ausfälle unter den anderen auslösen. GoPro steht deshalb in aktiven Verhandlungen mit seinen Gläubigern.

Was GoPro dagegen tut
Schon im Mai hat der Vorstand grünes Licht für die Prüfung strategischer Alternativen gegeben. Die Investmentbank Houlihan Lokey wurde engagiert, um einen möglichen Verkauf des Unternehmens oder andere Optionen zu evaluieren. Gründer und CEO Nicholas Woodman spricht von "substanziellem, nicht erkanntem Wert", der sich über einen Verkauf realisieren lasse.

Interessant ist die Richtung, in die GoPro blickt: Das Unternehmen prüft ausdrücklich Chancen im Verteidigungs- und Luftfahrtsektor, um die vorhandene Kameratechnologie in neue Märkte zu überführen. Die unaufgeforderten Kaufanfragen kamen laut Unternehmen aus den Bereichen Verteidigung, Konsumgüter und Finanzwesen. Die Q1-Zahlen lagen mit 99 Millionen Dollar Umsatz immerhin innerhalb der eigenen Prognose.

Was das für uns bedeutet
Für den klassischen EB-Alltag war GoPro nie eine Hauptkamera, aber als Spezialwerkzeug für Onboard-Aufnahmen, POV-Perspektiven, Helm- und Fahrzeug-Montagen hat sich die Action-Cam ihren festen Platz erarbeitet. Die kürzlich vorgestellte Mission-1-Serie mit internem 32-Bit-Float-Audio war GoPros ehrgeiziger Versuch, ins höherwertige Segment vorzustoßen. Vor dem Hintergrund der Finanzlage wirkt dieser Vorstoß nun eher wie ein letzter Befreiungsschlag als wie eine Position aus der Stärke.

Wichtig zur Einordnung: Eine Going-Concern-Warnung ist nicht gleichbedeutend mit Insolvenz. Es ist eine formale Warnung der Wirtschaftsprüfer, dass ohne erfolgreiche Gegenmaßnahmen ein ernstes Risiko besteht. Verkauf, Refinanzierung oder Asset-Verkäufe können die Lage drehen. Viele Unternehmen haben solche Phasen überstanden, manche nicht.

Wer GoPro-Equipment im Einsatz hat, muss nicht in Panik verfallen. Aber wer gerade über eine Neuanschaffung oder den Aufbau eines GoPro-basierten Workflows nachdenkt, sollte die Entwicklung im Auge behalten. Bei Fragen wie Garantieabwicklung, Ersatzteilversorgung und langfristiger Software-Pflege (Stichwort Quik-App und Cloud-Abos) lohnt sich aktuell ein vorsichtiger Blick. Wir bleiben dran und halten euch auf dem Laufenden.

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