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Drohnen für EB-Teams 2026: Was sich lohnt, was du wissen musst


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Es gab eine Zeit, da war eine Drohne im EB-Setup ungefähr so seriös wie ein Selfiestick auf der Bundespressekonferenz. Diese Zeit ist seit Jahren vorbei. Heute steht in fast jedem Producer-Brief das Wörtchen "Luftaufnahmen wenn möglich", und wer als freier Kameramann ohne Drohne anrückt, kommt sich vor wie früher ohne Tonangel. Was 2026 wirklich gilt, was die Anschaffung kostet, was du brauchst und was du dir sparen kannst, klären wir hier.

Wo Drohnen 2026 im EB-Alltag stehen
Drei Beobachtungen aus dem Berufsalltag: Erstens, Luftaufnahmen sind in Magazinbeiträgen, Reportagen und Dokus inzwischen Standard-Vokabular. Zweitens, die Sender erwarten zunehmend, dass Drohnen-Material aus einer Hand kommt, also vom selben Team, das auch dreht. Drittens, die Geräte sind so leistungsfähig geworden, dass die Bildqualität für TV-Anwendungen nicht mehr das Problem ist, sondern die rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen.

Genau dort liegt für die meisten EB-Teams die eigentliche Hürde, nicht in der Technik.

Rechtslage Deutschland 2026: Was du wirklich wissen musst
Seit Ende 2020 gilt in der EU eine einheitliche Drohnenverordnung, in Deutschland ergänzt durch die Luftverkehrs-Ordnung. Der Rechtsrahmen unterscheidet drei Betriebskategorien:
Open (ohne Genehmigung, mit Auflagen), Specific (mit Risikoanalyse und Genehmigung) und Certified (für Hochrisiko-Szenarien). Für klassische EB-Einsätze ist die Open-Kategorie der Regelfall, gegliedert in drei Unterkategorien:
 

  • A1: Flug in der Nähe von Personen, allerdings nicht über Menschenansammlungen. Drohnen bis 250 g (Klasse C0) und C1.
  • A2: Flug in der Nähe unbeteiligter Personen mit Mindestabstand, typischerweise 30 m oder im Langsam-Modus 5 m. Drohnenklasse C2.
  • A3: Flug weit entfernt von Menschen, mindestens 150 m zu Wohn-, Freizeit- und Industriegebieten.

 

Maximale Flughöhe in der Open-Kategorie: 120 m über Grund. Versicherungspflicht für jede Drohne, egal wie klein. Registrierungspflicht ab 250 g oder bei jeder Drohne mit Kamera, einmalig 20 Euro für Privatpersonen, 50 Euro für juristische Personen.

Was sich seit 2024 geändert hat und für EB-Teams relevant ist: Bestandsdrohnen ohne C-Klassenkennzeichnung dürfen weiterhin betrieben werden, aber nur in eng begrenzten Fällen. Bestandsdrohnen über 250 g dürfen seit 1. Januar 2024 nur noch in A3 fliegen, also mit 150 m Mindestabstand zu bewohnten Gebieten. Wer also noch eine alte Mavic 2 Pro im Einsatz hat, muss damit leben oder über Neuanschaffung nachdenken.

Wichtig für 2026: Der EU-Kompetenznachweis ist 5 Jahre gültig, und die ersten Nachweise laufen 2026 ab. Seit Dezember 2025 kannst du die Verlängerung über das LBA-Portal beantragen, sobald dein Nachweis weniger als 12 Monate Restgültigkeit hat. Wer 2021 als einer der ersten den Schein gemacht hat, sollte jetzt aktiv werden.

Der EU-Kompetenznachweis A2 in der Praxis
Es gibt zwei EU-Drohnenführerscheine: den EU-Kompetenznachweis A1/A3 (kleiner Drohnenführerschein) und das EU-Fernpiloten-Zeugnis A2 (großer Drohnenführerschein).

Der kleine A1/A3 läuft komplett online über das LBA-Portal. Kostenfreies Online-Training, Multiple-Choice-Prüfung mit 40 Fragen, Gebühr 25 Euro für die Ausstellung. Das ist die absolute Mindestvoraussetzung für jede Drohne ab 250 g. Wer professionell EB dreht, hat den ohnehin.

Der A2-Schein ist der eigentlich interessante. Voraussetzung: bestandener A1/A3-Kompetenznachweis, praktisches Selbststudium, dann Theorie-Prüfung bei einer vom LBA benannten Prüfstelle. Online möglich, aber bei einer zertifizierten Stelle, nicht beim LBA selbst. Die Kosten variieren stark, von 79 Euro bei den günstigen Anbietern bis 300 bis 400 Euro bei intensiveren Programmen. Plus 30 Euro Ausstellungsgebühr beim LBA. Beide Nachweise sind 5 Jahre gültig.

Was bringt dir A2 im EB-Alltag konkret? Mit einer C2-Drohne darfst du im Modus A2 bis auf 30 m an unbeteiligte Personen heran, im Langsam-Modus sogar bis auf 5 m. Ohne A2 musst du mit einer C2-Drohne in A3 bleiben, also 150 m Abstand zu bewohnten Gebieten. Übersetzt: A2 ist der Unterschied zwischen "ich kann eine Innenstadt-Reportage drehen" und "ich brauche eine Wiese am Stadtrand".

Ehrlich gesagt: Für die meisten EB-Drehs ist A2 das, was du wirklich willst. Außer du fliegst überwiegend Mini-Drohnen unter 250 g, dann reicht der kleine Schein.

Geeignete Modelle für den EB-Einsatz
Drei Klassen, die für EB-Teams realistisch sind:

Kompakt: DJI Mini 5 Pro / Mini 4 Pro (Drohnenklasse C0, unter 249 g)
Die Geheimwaffe für schnelle Einsätze. Drohnen unter 250 g fallen in die Klasse C0 und dürfen sogar ohne Drohnenlizenz in der Kategorie A1 geflogen werden, also relativ nah an Menschen. Versicherung und Betreiber-Registrierung sind trotzdem Pflicht. Bildqualität: 4K bei beiden, brauchbar für jede TV-Anwendung. Was du nicht bekommst: Wechselobjektive, große Sensoren, lange Flugzeiten. Was du dafür bekommst: eine Drohne, die in jeder Reporter-Tasche Platz hat und die du auch in Fußgängerzonen einsetzen darfst.

Für 80 Prozent der EB-Einsätze, die spontan und schnell laufen müssen, ist das die ehrlich beste Wahl.

Mittelklasse: DJI Air 3S, DJI Mavic 4 Pro
Die Brot-und-Butter-Klasse für anspruchsvollere Drehs. Der DJI Mavic 4 Pro, eingeführt 2025, hat ein 100-MP-Hasselblad-System mit drei Kameras, 4/3-CMOS-Sensor, 6K bei 60 fps mit HDR, und das neue 360-Grad-Infinity-Gimbal. 51 Minuten Flugzeit. D-Log und 10-Bit-Farbtiefe auf allen drei Kameras. Für TV-Anwendungen weit über dem Notwendigen, aber gut zu wissen für Drehs, die später in 4K-HDR ausgespielt werden.

Wichtige Praxis-Info: Der Mavic 4 Pro hat keine ProRes-Aufnahme mehr, sondern arbeitet mit H.264 All-Intra im Creator-Combo. Wer ProRes will, muss zum Vorgänger Mavic 3 Pro Cine greifen, der zumindest ProRes 422 in seinen drei Varianten unterstützt. Für die meisten Sender-Anforderungen ist das egal, für anspruchsvolle Postproduktion ein Argument.

Wer unabhängig von DJI bleiben möchte, schaut sich Autel an. Die Evo-Lite-Serie hat sich als ernsthafte Alternative etabliert.

Profi: DJI Inspire 3, Sony Airpeak (für die ganz großen Aufgaben)
Die Cinema-Liga. Inspire 3 mit Vollformat-Sensor, 8.1K bei 75 fps in ProRes RAW, 14+ Blendenstufen Dynamikumfang, Wechselobjektive, RTK-Positionierung. Preis: rund 16.500 Dollar. Netflix-zugelassen, aber: zwei Personen-Bedienung (Pilot plus Kameraoperator), schwer, sperrig, deutlich höhere Anforderungen an Genehmigungen wegen des Gewichts.

Ehrlich: Für klassische EB-Einsätze ist die Inspire 3 die falsche Drohne. Wer sie braucht, weiß es. Für alle anderen ist sie ein Investitions-Grab.

Sender-Anforderungen und Praxis am EB-Set
Hier ist die ehrliche Bestandsaufnahme: Die Sender werden zunehmend strenger, was Drohnen-Material angeht, und das aus gutem Grund. Drei Punkte, die du wissen solltest:

Versicherung und Nachweis. Standard ist eine Drohnen-Haftpflicht mit mindestens einer Million Euro Deckungssumme. Viele Sender wollen den Nachweis vorab schriftlich, manche fragen explizit nach einer höheren Deckung. Beim ersten Auftrag mit einem neuen Sender lohnt sich der Anruf in der Disposition, statt am Drehtag zu improvisieren.

Aufnahmeformat und Codec. Die meisten Sender akzeptieren 4K H.264 oder H.265 in 10-Bit-Farbtiefe, einige wollen explizit D-Log oder D-Log M zur Anpassung an ihren Postpro-Workflow. Wer für ARD-Aktuell oder Heute-Journal liefert, sollte vor dem Dreh klären, ob HLG oder klassisches Rec.709 erwartet wird. Bei Streaming-Auftraggebern (ZDFmediathek-Doku, ARD-Mediathek) wird inzwischen oft HDR verlangt.

Genehmigungen vor Ort. Hier liegt der eigentliche Praxis-Stress. Auch mit gültigem A2 brauchst du in vielen deutschen Innenstädten zusätzliche Erlaubnisse, etwa von Grundstückseigentümern, Veranstaltern, oder bei Drehs in der Nähe von Krankenhäusern, Polizeieinheiten, Demos und Großveranstaltungen. Die deutschen Geozonen sind in § 21h LuftVO geregelt und definieren, wo du unter welchen Bedingungen fliegen darfst. Apps wie Map2Fly oder Droniq helfen bei der Vorab-Recherche.

Praktisch: Plane immer mit doppelter Vorlaufzeit. Wer am Vortag eines Drehs erst die Genehmigungslage prüft, hat meist schon verloren.

Fazit: Wer braucht jetzt eine Drohne im EB-Setup
Drei klare Empfehlungen:

Für freie EB-Kameraleute, die regelmäßig für Sender drehen: Eine Drohne ist 2026 keine Spielerei mehr, sondern Teil der Grundausstattung. Wer keine hat, lehnt indirekt Aufträge ab. Die DJI Mini 5 Pro plus A1/A3-Schein und Versicherung kommt dich auf rund 800 Euro inklusive Nebenkosten, und das ist gut investiert.

Für anspruchsvollere Einsätze: Mavic 4 Pro plus A2-Schein. Mit dieser Kombination deckst du fast jeden EB-Dreh ab, der auf Drohnenmaterial angewiesen ist. Investition: rund 3000 bis 4000 Euro inklusive Schein, Versicherung und Zubehör. Amortisiert sich erfahrungsgemäß im ersten Jahr, wenn du regelmäßig fliegst.

Für Inspire-3-Niveau: Nur, wenn du explizite Cinema- oder High-End-Doku-Aufträge hast, die das verlangen. Sonst ist die Investition nicht zu rechtfertigen.

Was bleibt: Drohnen sind heute das, was vor zehn Jahren noch der Schulter-Camcorder war, ein Werkzeug, das nicht ersetzt, was wir am Boden machen, sondern es erweitert. Wer 2026 ohne fliegt, fehlt im Bild. Wer mit fliegt, sollte wissen, was er tut, sonst fehlt im schlimmsten Fall der Schein und im noch schlimmsten Fall die Drohne.

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