KI am Set: Assistent oder Konkurrent?

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!



  • Es gibt kaum eine Branchenveranstaltung 2026, auf der KI nicht im Mittelpunkt steht. NAB Show, Medientage München, leatcon broadcast - überall dieselbe Frage: Wie tief greift Künstliche Intelligenz in unsere Arbeit ein? Und was bedeutet das konkret für uns als Kameraleute?

    Die ehrliche Antwort: tiefer als viele wahrhaben wollen - aber anders, als manche befürchten.

    Was heute schon läuft - und was kaum jemand laut sagt

    Stell dir vor, du kommst zum nächsten Sportdreh und ein Großteil der Kamerapositionen wird von PTZ-Systemen mit automatischem Tracking besetzt. Auf der SportsInnovation 2026 standen genau diese Systeme im Mittelpunkt - hochintegrierte Remote-Production-Workflows mit der zentralen Frage, wie sich Produktionsprozesse verändern, wenn Automatisierung flächendeckend Einzug hält. Das ist keine ferne Zukunft. Das ist der Stand der Technik, heute.

    In der Postproduktion ist KI längst kein Experiment mehr. Dubbing, Lokalisierung und automatisches Clipping großer Aufnahmebibliotheken laufen bereits produktiv. Wer in einer Redaktion arbeitet, hat das gespürt: Material wird schneller gesichtet, Sprachversionen automatisch erstellt, Social-Media-Clips fast ohne Menschenhand zusammengestellt.

    Die Veränderung beginnt vor dem ersten Drehtag

    Was weniger sichtbar ist, aber nachhaltiger wirkt: KI verändert die Vorproduktion. Der Mentalitätswandel geht von „fix it in post" zu „fix it in pre" - dramaturgische Wendepunkte werden vor dem Dreh analytisch durchgespielt, Drehpläne KI-gestützt optimiert, Moodboards in Minuten generiert. Das verändert, wie Redakteure und Produzenten am Drehtag ankommen - und damit auch, was sie vom Kameramann erwarten.

    Die eigentliche Transformation liegt dabei weniger in einzelnen Tools als in den Workflows, in die sie integriert werden - im Zusammenspiel von Broadcast-Infrastruktur, Hybrid Production und KI-gestützten Prozessen. KI ist kein Button, den man drückt. Sie verändert die Logik eines gesamten Produktionsablaufs - und damit auch die Rolle jedes Einzelnen darin.

    Was bleibt, was verschwindet - und worauf es jetzt ankommt

    Repetitive Aufgaben werden zunehmend automatisiert: Standard-Einstellungen, feste Kamerafahrten, Routineberichterstattung. Gleichzeitig ist kein Algorithmus bislang in der Lage, das zu leisten, was erfahrene Kameraleute täglich tun - den richtigen Moment antizipieren, Licht instinktiv lesen, eine Situation im Millisekunden-Takt einschätzen.

    Die eigentliche Gefahr liegt nicht darin, dass KI uns ersetzt. Sie liegt darin, nicht zu bemerken, welche Teile des eigenen Jobs gerade still und leise ausgelagert werden. Wer die Entwicklung aktiv verfolgt und KI als Werkzeug begreift, wird profitieren. Wer sie ignoriert, läuft Gefahr, eines Tages im nächsten Angebot die Lücke zu spüren - ohne zu wissen, wann sie entstanden ist.