
Dana Harrison, designierte CEO des weltweiten Vermietungsgeschäfts
Liebe Kollegen,
während die Branche noch über die ESC-Premiere der ALEXA 35 Live diskutiert, hat ARRI heute den nächsten strategischen Paukenschlag gesetzt. Das Münchner Unternehmen verkauft sein globales Rental-Geschäft in Europa, Großbritannien und Nordamerika an den britischen Investor H2 Equity Partners. Illumination Dynamics bleibt bei ARRI und ist von der Transaktion ausgenommen. Der Deal läuft als Management Buy-out, geführt vom bisherigen britischen Rental-Führungsteam um Dana Harrison, Russell Allen und Tamim Essaji. Finanzielle Details wurden nicht genannt.
Die offizielle Begründung
ARRI nennt als Kernargument einen strukturellen Interessenkonflikt: Als Hersteller beliefert man weltweit Kunden und Partner, von denen einige mit dem eigenen Rental-Geschäft konkurrieren. Wer gleichzeitig Kameras baut und vermietet, sitzt zwangsläufig auf beiden Seiten des Tisches. Mit dem Verkauf will sich ARRI künftig auf Entwicklung, Produktion und Vermarktung von Kamera-, Licht- und Software-Technologien konzentrieren und sich als unabhängiger, neutraler Technologiepartner positionieren.
Thomas Riedel, seit der Übernahme Eigentümer von ARRI, spricht von einem Meilenstein der strategischen Transformation. Man wolle Investitionen gezielter in Technologieentwicklung und neue Wachstumsfelder lenken.
Warum das mehr ist als eine Portfolio-Bereinigung
Aus der Distanz betrachtet ergibt das eine klare Linie. Riedel übernimmt ARRI im Frühjahr, ARRI startet mit dem ESC den Angriff auf das Broadcast-Segment, und nun wird das Rental-Geschäft abgestoßen. Das ist kein Zufall, sondern eine strategische Kette.
Erstens braucht ein Hersteller, der in den Broadcast-Markt einsteigen will, saubere Beziehungen zu den Dienstleistern. Der Weg in die Live-Produktion führt über Firmen wie NEP, TVN, Riedel-Kunden und die großen Vermieter. Wer diesen Firmen als Wettbewerber gegenübersteht, hat es schwerer, sie als Vertriebspartner zu gewinnen. Der Interessenkonflikt, den ARRI in der Pressemitteilung nennt, ist real und im Broadcast-Umfeld sogar noch relevanter als im Kinobereich, weil dort die Ü-Wagen-Dienstleister die eigentlichen Türsteher sind.
Zweitens ist das Rental-Geschäft kapitalintensiv. Man muss Equipment vorhalten, das nicht ständig läuft, man trägt Lager, Wartung, Logistik und Personal. Für ein Unternehmen, das gerade eine Transformation finanzieren und massiv in Live-Systeme investieren will, ist das gebundenes Kapital an der falschen Stelle.
Drittens kann man es auch weniger charmant lesen: ARRI trennt sich von einem Geschäftsbereich, der in Zeiten schwacher Auslastung im Kinosektor unter Druck steht. Weniger große Produktionen bedeutet weniger Anmietungen. Ein Rental-Geschäft in einem schrumpfenden Markt ist kein Wachstumsmotor, sondern ein Klotz am Bein.
Was das für uns bedeutet
Für die tägliche Arbeit ändert sich zunächst wenig. Das Rental-Geschäft läuft unter dem bisherigen Team weiter, ARRI bleibt Technologiepartner, und laut Pressemitteilung sollen Kundenbeziehungen, Standards und Ansprechpartner erhalten bleiben. Die Standardformulierung bei solchen Deals, wohlgemerkt.
Interessanter ist der Punkt, der fast beiläufig steht: Die neue eigenständige Rental-Gruppe wird nach einer Übergangsfrist unter eigener Marke firmieren. Der Name ARRI Rental verschwindet also. Wer in Deutschland, Großbritannien oder Nordamerika ARRI-Equipment mietet, wird das künftig bei einer Firma tun, die anders heißt.
Und noch ein Aspekt für die Zukunft: Ein Rental-Unternehmen im Besitz eines Private-Equity-Investors verhält sich in aller Regel anders als eines im Konzernverbund. H2 Equity Partners beschreibt sich selbst als langfristig orientierter Investor mit unternehmerischem Ansatz. Das ist der Standardtext jeder PE-Gesellschaft. Was in der Praxis passiert, entscheidet sich an Renditezielen, Haltedauer und Exit-Strategie. Erfahrungsgemäß bedeutet PE-Eigentum: Effizienzprogramme, Konsolidierung, mögliche Zukäufe, und irgendwann ein Weiterverkauf. Für Kunden kann das gut ausgehen (mehr Investitionen, breiteres Portfolio) oder eben nicht (Preisdruck, Standortschließungen, ausgedünnte Serviceteams).
Einordnung
Strategisch ist der Schritt nachvollziehbar und aus Riedel-Sicht sogar konsequent. ARRI wird schlanker, fokussierter und als Technologielieferant für die gesamte Branche neutraler. Genau das braucht man, wenn man Sony und Grass Valley im Broadcast-Segment Marktanteile abnehmen will.
Gleichzeitig ist es ein weiterer Baustein in der Zerlegung dessen, was ARRI einmal war: ein integriertes Familienunternehmen, das alles konnte, von der Kamera über das Licht bis zur Vermietung. Was übrig bleibt, ist ein Technologiehersteller in einem Konzernverbund, der sich auf die margenstarken Segmente konzentriert. Ob das eine Gesundschrumpfung oder ein Ausverkauf ist, wird sich zeigen. Vermutlich ist es beides.
Was denkt ihr? Gute Entscheidung, oder verliert ARRI damit den letzten direkten Draht zu den Anwendern?
(Original-Pressemeldung)
Beiträge von Arni
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Es gibt Branchennachrichten, die klingen erst einmal nach IT-Abteilung und Rechenzentrum - und gehen uns scheinbar nichts an. Die globale Speicherchip-Knappheit ist genau so eine Nachricht. Bis man genauer hinschaut. Denn am Ende der Lieferkette stehen nicht nur Server-Racks bei Microsoft und Google, sondern auch die CFexpress-Karte in unserem Camcorder, die SDXC im Slot und die SSD im externen Recorder. Und die werden gerade teuer. Richtig teuer.Wer es plastisch braucht: Sony hat Ende März 2026 den Verkauf nahezu seiner kompletten Speicherkarten-Palette ausgesetzt - CFexpress Type A, Type B und SDXC, über alle Kapazitäten hinweg, ohne Termin für eine Wiederaufnahme. Ein großer Hersteller von Aufnahmemedien zieht nicht die Preise an, sondern nimmt die Produkte ganz aus dem Markt. Das ist kein Marketing-Manöver, das ist ein Symptom.
Was eigentlich passiert
Der Kern ist schnell erzählt, und er hat erstaunlich wenig mit unserer Branche zu tun. Die Nachfrage nach Speicher für KI-Rechenzentren ist explodiert. Die drei großen Hersteller - Samsung, SK Hynix und Micron - kontrollieren zusammen den Löwenanteil der weltweiten DRAM- und NAND-Produktion, und sie schichten ihre Fertigung massiv in Richtung High Bandwidth Memory (HBM) um. HBM ist der Speichertyp, der neben den KI-Beschleunigern sitzt, und er bringt pro Wafer ein Vielfaches der Marge von normalem Consumer-Speicher.
Der entscheidende Punkt, warum das die gesamte Lieferkette austrocknet: HBM frisst Kapazität überproportional. Micron hat ein Umrechnungsverhältnis von etwa drei zu eins genannt - jeder Wafer, der in HBM wandert, kostet ungefähr die dreifache Kapazität an normalem DDR5. Jede HBM-Linie, die hochgefahren wird, presst also die allgemeine Speicherversorgung zusammen. Dazu kommen die Hyperscaler, die bei den Herstellern offene Bestellungen platziert haben - sinngemäß: "Wir nehmen alles, was ihr habt, egal zu welchem Preis." Wenn solche Kunden am Tisch sitzen, bleibt für alle anderen nur die Restmenge.
Die Folge ist keine klassische zyklische Delle, wie wir sie aus der Vergangenheit kennen, wo nach ein, zwei Quartalen wieder Entspannung kam. SK Hynix hat schon im Oktober 2025 gemeldet, dass die Kapazitäten für 2026 praktisch ausverkauft sind. Micron hat sich aus dem Consumer-Speichergeschäft ganz zurückgezogen und fährt die Hausmarke Crucial herunter. Mehrere Hersteller haben ihre Preislisten für 2026 zeitweise komplett ausgesetzt - niemand verkauft heute zu einem Preis, der morgen 30 Prozent höher liegen könnte. Aus Sicht der Hersteller ist das rational. Aus unserer Sicht fühlt es sich an, als wäre man vom Markt ausgesperrt.
Warum genau uns das trifft
NAND-Flash ist der Rohstoff, aus dem CFexpress, SDXC und portable SSD gefertigt werden. Es gibt keine Ausweichroute. Wenn der NAND-Pool knapp wird, konkurrieren unsere Karten mit Enterprise-SSDs für Rechenzentren um dieselben Chips - und in diesem Wettbewerb verlieren sie regelmäßig, weil die Marge auf der anderen Seite einfach höher ist.
Erschwerend kommt hinzu, dass Kameramedien kein Allerweltsspeicher sind. CFexpress und schnelle SD-Karten brauchen höherwertigen Flash mit strengeren Anforderungen an Temperatur und Schreibfestigkeit - die Karte muss bei Dauerlast im Sommer in der prallen Sonne genauso zuverlässig schreiben wie im Studio. Genau diese hochwertigen NAND-Lagen sind im Engpass besonders umkämpft. Dazu kommt, dass viele Karten noch auf etablierten Speicherdichten basieren, deren Fertigungslinien gerade stillgelegt werden, um Platz für profitablere Produkte zu schaffen. Wenn eine solche Linie schließt, schrumpft das Angebot nicht nur - es verschwindet.
Die Zahlen, soweit man ihnen trauen kann
Ein paar Eckwerte, mit der ausdrücklichen Vorwarnung, dass sie volatil sind und sich je nach Region und Woche unterscheiden:
Bei Vertragspreisen für DDR5 hat sich der Preis seit Sommer 2025 mehr als verdoppelt. Samsung hob den Listenpreis für ein 32-GB-DDR5-Modul von rund 149 auf 239 US-Dollar an - in einem einzigen Schritt. Bei NAND-Flash projizierten die Marktbeobachter für das erste Quartal 2026 Steigerungen der Vertragspreise von etwa 33 bis 38 Prozent gegenüber dem Vorquartal, für das zweite Quartal noch einmal 70 bis 75 Prozent obendrauf. NAND wuchs damit erstmals in diesem Zyklus schneller im Preis als DRAM.
Bei den Endprodukten ist es konkret. Eine 1-TB-Consumer-SSD, die Mitte 2025 noch um die 45 Dollar kostete, lag Anfang 2026 bei knapp 90. Eine 128-GB-SD-Karte, Anfang 2025 für 25 bis 30 Dollar zu haben, steuert auf 50 bis 60 zu. Bei CFexpress Type B sind die Sprünge noch heftiger, weil diese Karten mehr NAND pro Stück verbauen und der Markt kleiner und spezialisierter ist - etliche Modelle haben sich seit Ende 2025 schlicht verdoppelt.
Noch näher an unserem Alltag liegt die CFexpress Type A. Genau die Sony-CEA-G-Serie, die in der FX6 und FX9 steckt, kam im Sommer 2025 mit klaren Preisen auf den Markt - die 480-GB-Karte für rund 360, die 960-GB-Variante für knapp 585 US-Dollar. Ein Dreivierteljahr später hat Sony in Japan den Verkauf genau dieser CEA-G-Karten ausgesetzt, und bei den Händlern gilt: solange der Vorrat reicht, danach zu Preisen, die niemand mehr garantieren mag. Eine Karte, die gestern noch selbstverständlicher Verbrauchsartikel war, ist über Nacht zur Mangelware geworden.
Genau hier lohnt der nüchterne Blick: Ein Teil dieser Sprunghaftigkeit ist echter Mangel, ein Teil ist künstlich erzeugte Knappheit und Panikkäuferei. Beides verstärkt sich gegenseitig. Wer als Börsianer auf solche Muster schaut, kennt das Spiel: Sobald alle gleichzeitig horten, um sich gegen künftige Engpässe abzusichern, wird der Engpass erst recht zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung.
Der EB-Bezug, konkret
Jetzt könnte man sagen: schön und gut, aber das sind Fotografen-Sorgen. Ist es nicht. Schauen wir auf das, was bei uns täglich im Slot steckt.
Die aktuelle Generation an Schultercamcordern und "Henkelmännern" für EB setzt zunehmend auf CFexpress Type A oder schnelle SD-Karten der V90-Klasse. Wer mit den gängigen Sony-Modellen unterwegs ist, kennt die CFexpress Type A nur zu gut - und ausgerechnet die ist von Sonys Verkaufsstopp mit betroffen. Andere Broadcast-Mühlen nehmen CFexpress Type B, dieselbe Karte, die auch in den großen Spiegellosen von Canon, Nikon und Co. steckt - das heißt, wir konkurrieren beim Einkauf direkt mit dem gesamten Fotomarkt um identische Ware.
Dann die externen Recorder: Wer auf Dreh auf SSD aufzeichnet, ob für ProRes-Backup oder als Hauptmedium, kauft genau die portablen Laufwerke, deren Preise sich gerade verdoppeln. Und am Ende der Kette steht der Ingest - die Schnittplätze, Schnittassistenzen und Server-Speicher in der Postproduktion sitzen im selben Boot, denn auch dort steigen die Kosten für RAM und Massenspeicher spürbar.
Für uns als freie EB-Kollegen heißt das ganz praktisch: Die Kartentasche ist ein Posten, der bisher kaum der Rede wert war, und der sich gerade verteuert. Wer mehrere Karten in Rotation fährt - und das sollte jeder, der sauber arbeitet - merkt das beim nächsten Nachkauf direkt im Geldbeutel. Und wer für eine größere Produktion oder einen längeren Dreh am Stück Medien beschaffen muss, sollte das nicht mehr auf den letzten Drücker erledigen.
Wie lange das dauert
Hier ist die unangenehme Wahrheit: Mit schneller Entspannung ist nicht zu rechnen. Neue Fertigungskapazität braucht 18 bis 24 Monate, bis sie in nennenswertem Umfang produziert. Selbst die geplanten neuen Chipfabriken (Fabs) von Samsung, SK Hynix, Micron und Kioxia sollen nach Einschätzung der Analysten erst Ende 2027 oder 2028 wirklich Volumen liefern. Bis dahin bleibt der Markt strukturell zu knapp. Manche Stimmen in der Branche - etwa von Speichercontroller-Herstellern - reden bereits von einem Superzyklus statt von einer kurzen Spitze.
Der einzige echte Wildcard-Faktor ist China. Chinesische Hersteller wie YMTC bei NAND und CXMT bei DRAM bauen ihre Kapazitäten aus und könnten mittelfristig einen alternativen Versorgungskanal für preissensible Käufer eröffnen. Beide hängen allerdings an Exportkontrollen für modernste Fertigungstechnik, was den Anschluss an die Spitze erschwert. Kurzfristig wird uns das nicht retten.
Was man jetzt sinnvoll tun kann
Kein Grund zur Panik, aber ein Grund, mitzudenken. Ein paar nüchterne Überlegungen:
Wer ohnehin weiß, dass im nächsten halben Jahr neue Karten oder eine zusätzliche Recorder-SSD fällig werden, fährt mit einem Kauf jetzt vermutlich günstiger als mit Warten. Das ist keine Spekulation auf steigende Preise, sondern schlichte Vorratshaltung für absehbaren Eigenbedarf. Gleichzeitig gilt: nicht in Hortpanik verfallen. Karten altern, und Geld, das in einem Stapel ungenutzter Medien liegt, fehlt anderswo.
Wichtiger wird das Thema Fälschungen. Immer wenn echte Knappheit auf hohe Preise trifft, schwemmt es gefälschte Karten in den Markt - umgelabelte Kapazitäten, untergejubelte Billigware mit aufgedrucktem Markennamen. Das war schon bei SD-Karten ein Dauerthema und wird bei CFexpress zu Preisen jenseits der 200 Euro nicht besser. Also: bei seriösen Händlern kaufen, nicht beim günstigsten Marktplatz-Angebot mit Fantasiepreis, und neue Karten vor dem ersten Ernsteinsatz auf echte Kapazität und Schreibrate prüfen.
Für Produktionen lohnt es sich, Medienbedarf früher im Produktionskalender zu planen statt kurzfristig. Und wer für einen Sender oder eine Produktionsfirma im Festeinkauf oder in der Disposition mitredet, sollte das Thema dort aktiv ansprechen - die Budgetposten für Verbrauchsmedien sind mancherorts seit Jahren nicht angepasst worden und treffen 2026 auf eine völlig neue Preisrealität.
Einordnung
Das eigentlich Bemerkenswerte an dieser Geschichte ist, wie weit der Hebel reicht. Eine Entwicklung, die mit dem Bau von KI-Rechenzentren auf einem ganz anderen Kontinent beginnt, landet am Ende in unserer Kartentasche und auf der Rechnung für den nächsten Dreh. Die Aufnahmemedien, die für uns über Jahre selbstverständlicher und tendenziell immer günstigerer Verbrauchsstoff waren, werden 2026 zu einem Posten, den man im Auge behalten muss - bei Preis und bei Verfügbarkeit.
Es ist kein Weltuntergang. Die Karten verschwinden nicht komplett aus den Regalen, sie werden teurer und phasenweise schlechter lieferbar. Aber es ist ein guter Anlass, die eigene Beschaffung einmal durchzudenken, statt erst am Drehtag festzustellen, dass die Wunschkarte gerade das Doppelte kostet oder gar nicht zu bekommen ist.
Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr beim letzten Kartenkauf schon spürbar mehr gezahlt, oder gar Lieferschwierigkeiten gehabt? Und wie geht ihr in euren Produktionen damit um - vorsorglich bevorraten oder erst mal abwarten?
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Die Bilder gingen vergangene Woche um die Welt: Beim Freundschaftsspiel Ungarn gegen Kasachstan löst sich eine Seilkamera aus mehr als 20 Metern Höhe und schlägt auf dem Rasen auf, keine zwei Meter neben einem Steadycam-Operator an der Seitenlinie. Weil dieselbe Gattung Technik gerade bei der WM zum Einsatz kommt, ist die Aufregung groß. Zeit, das Ganze mit fachlichem statt boulevardeskem Blick zu sortieren, denn an dem Vorfall lässt sich eine Menge über die Technik lernen, mit der viele von uns regelmäßig zu tun haben.
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Was tatsächlich passiert ist
Am 9. Juni, beim Länderspiel im Nagyerdei-Stadion in Debrecen, begann eine Seilkamera in der ersten Halbzeit zu rauchen. Ungarische Medien berichteten, ein Feuer habe das Tragekabel beschädigt. Die Kamera stürzte aus über 20 Metern und schlug nahe der ungarischen Aufwärmzone auf, knapp im Feld, zwei Meter von einem Kameramann entfernt. In der 26. Minute gab es eine Trinkpause, während der Vorfall abgearbeitet wurde. Verletzt wurde niemand, Ungarn gewann am Ende 3:1.
Dass nichts Schlimmeres geschah, war Glück, kein Verdienst des Systems. Bei einem aus 20 Metern fallenden Kamera-Dolly samt Kopf reden wir über ein Geschoss von erheblichem Gewicht.
Warum ich hier Seilkamera schreibe und nicht Spidercam
Dir ist vielleicht aufgefallen, dass ich durchgängig von einer Seilkamera spreche. Das ist Absicht, und hier beginnt der Teil, den fast alle Meldungen falsch machen. Reflexhaft hieß es überall "Spidercam", doch Spidercam ist ein Markenname, kein Gattungsbegriff. PetaPixel hat seinen Bericht nachträglich sogar korrigiert und schreibt nun bewusst von einem kabelgestützten Kamerasystem statt von einer Spidercam.
Noch deutlicher wurde der Markeninhaber selbst. Ross Video, seit 2022 Eigentümer der Marke Spidercam, stellte am 10. Juni in einer offiziellen Mitteilung klar, dass das in Ungarn betroffene System kein Spidercam-System war und weder von Ross Video aufgebaut noch betrieben wurde. Damit ist die verbreitete Zuschreibung vom Hersteller persönlich zurückgewiesen.
Der Unterschied ist für uns relevant. Spidercam ist eine österreichische Entwicklung von Jens C. Peters, gegründet um das Jahr 2000. Das System arbeitet mit vier motorisierten Winden an den Ecken, die je ein Kevlar-Kabel zu einem gyrostabilisierten Dolly führen. Daneben gibt es das ältere US-System Skycam, das aus den USA stammt und 1984 erfunden wurde, sowie diverse weitere Cable-Cam-Anbieter. Welches Fabrikat in Debrecen hing, ist bislang nicht sauber bestätigt, nur eben, dass es keine Spidercam war. Wer also pauschal "die Spidercam" verantwortlich macht, ordnet einem konkreten Hersteller einen Defekt zu, der nachweislich nicht seiner war. Genau diese Sorgfalt unterscheidet uns von der Schlagzeile, und deshalb bleibt es bei uns bei der neutralen Seilkamera.
Wie so eine Cable Cam überhaupt funktioniert
Damit klar wird, was da versagt hat, lohnt der Blick auf den Aufbau. Vier Winden an den Ecken spulen je ein hochfestes Kabel auf und ab, meist aus Kevlar oder Dyneema. Aramidfasern wie Kevlar sind rund fünfmal reißfester als Stahl bei gleichem Gewicht, hitze- und schnittbeständig und nicht elektrisch leitend. In zwei der Kevlar-Stränge ist zusätzlich Glasfaser eingewoben, die die Steuerbefehle zum Dolly und das Videosignal zurück zur Regie transportiert. Über das synchrone Auf- und Abwickeln der vier Seile bewegt sich die Kamera frei im Raum, eine gyrostabilisierte Aufhängung und ein Gimbal halten das Bild ruhig.
Eine moderne Anlage trägt bis zu 25 Kilogramm, deckt Felder bis 200 mal 150 Meter ab und beschleunigt den Dolly auf zweistellige Meter-pro-Sekunde-Werte. Das ist beeindruckende Mechanik, aber eben auch ein Lastsystem über den Köpfen von Menschen, und damit ein sicherheitskritisches System.
Der eigentlich interessante Punkt: ein Feuer am Kabel
Jetzt wird es technisch spannend. Ein Kabelbrand ist bei diesen Systemen ein höchst ungewöhnlicher Fehler, gerade weil Kevlar selbst hitzebeständig ist und nicht leitet. Wenn etwas am Kabel brennt, dann mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht der Aramidstrang, sondern eine elektrische Komponente in seiner Nähe: die Energieführung, eine Steckverbindung, ein überlasteter Leiter oder ein Schmorbrand an der Glasfaser-Hybridstrecke. Das ist meine fachliche Einordnung anhand des Aufbaus, keine bestätigte Unfallursache, eine offizielle Untersuchung steht aus. Aber die Richtung ist plausibel, und sie verschiebt die Frage weg vom "gerissenen Seil" hin zu einem elektrischen oder thermischen Defekt, der das Tragseil erst sekundär geschwächt hat.
Das passt auch zur Beobachtung der Zuschauer, die zuerst Rauch sahen und erst danach den Absturz. Ein rein mechanischer Seilriss kommt schlagartig. Hier ging dem Versagen sichtbar etwas voraus, ein thermischer Prozess, der Zeit brauchte.
Warum am Ende nur noch ein Seil hielt
Und damit zu einem Detail, das in den Videos aufmerksamen Augen nicht entgeht: Kurz vor dem Aufschlag hängt die Kamera nur noch an einem einzigen Seil. Das ist verräterisch, denn ein bewegliches System, das dauerhaft an nur einem Seil hinge, ergäbe technisch keinen Sinn. Mit einem Seil lässt sich keine kontrollierte Position erzeugen, nur ein Pendel. Bewegliche Seilkameras hängen daher immer an mehreren Strängen: Ein Zwei-Seil-System spannt die Kamera zwischen zwei Ankerpunkten auf und fährt sie auf einer Linie über das Feld, ein Vollsystem nach Spidercam-Art nutzt vier Seile zu vier Ecken für die freie Fahrt über die gesamte Fläche.
Dass am Ende nur ein Seil hielt, ist deshalb kein Normalzustand, sondern der vorletzte Akt einer Fehlerkette. Und die Berichte stützen das im Wortlaut: Demnach beschädigte das Feuer eines der Tragekabel, woraufhin sich die Kamera von den Kabeln löste, beide Male im Plural. Das spricht klar für ein Mehrseil-System, bei dem zuerst ein Strang durch den Brand versagte. Die Last wanderte auf das verbliebene Seil, das dann entweder vom selben Brand geschwächt war oder durch die schlagartige Pendellast überfordert wurde, und ebenfalls riss. Genau das soll Redundanz eigentlich verhindern. Dass sie hier nicht griff, deutet darauf hin, dass der Brand mehr als einen Strang erfasst hat, vermutlich an einem gemeinsamen Sammelpunkt der Energieführung. Auch das ist fachliche Herleitung, keine bestätigte Ursache.
Wie sicher sind diese Systeme normalerweise?
Fairerweise muss man einordnen: Abstürze sind extrem selten. Seriöse Anbieter arbeiten mit redundanten Bremsen, Fangleitungen, Geofencing und Sperrzonen, dazu kommen Geschwindigkeitsgrenzen und Kollisionsvermeidung. Spidercam etwa wirbt damit, dass die redundanten Bremsen über zwei Jahrzehnte Betrieb hinweg nicht versagt hätten, weil sie bei Stromausfall oder Notfall automatisch greifen, eine Herstellerangabe, die man nicht überprüfen kann, die aber zur insgesamt guten Bilanz dieser Systeme passt.
Bezeichnend ist, dass die bekanntesten Zwischenfälle der Vergangenheit fast nie Abstürze waren, sondern Kollisionen. Beim Boxing-Day-Test 2022 in Melbourne riss eine Spidercam den südafrikanischen Bowler Anrich Nortje zu Boden, mehrfach lenkten Kabel im Cricket den Ball ab. Der prominenteste echte Absturz wiederum, der gern als Spidercam-Versagen erinnert wird, war 2013 beim Coca-Cola-600-Rennen. Nur war das gar keine Spidercam, sondern eine Cablecam, deren Seil riss. Auch das ein schönes Beispiel dafür, wie schnell die Marke für die ganze Gattung herhalten muss.
Und die WM?
Natürlich schwingt die Sorge mit, weil Seilkameras bei der WM flächendeckend zum Einsatz kommen. Hier ist nüchterne Einordnung gefragt statt Alarmismus. Erstens wissen wir nicht, ob in Debrecen überhaupt ein Fabrikat hing, das auch bei der WM fliegt, der Spidercam-Hersteller hat eine Beteiligung ja ausdrücklich verneint. Zweitens unterliegt eine WM-Produktion ganz anderen Abnahme-, Wartungs- und Versicherungsauflagen als ein Freundschaftsspiel, das von einem nationalen Verband ausgerichtet wird. Drittens ist ein Vorfall mit sichtbarer Rauchentwicklung vor dem Versagen genau der Fall, den professionelle Inspektionsprotokolle vorab abfangen sollen, etwa durch Thermografie und Prüfung der Energieführung.
Trotzdem wäre es falsch, das achselzuckend abzutun. Der Fall ist eine Erinnerung daran, dass die spektakulärsten Bilder von der Mechanik über unseren Köpfen abhängen, und dass deren Sicherheit mit der Sorgfalt bei Aufbau, Prüfung und Wartung steht und fällt. Für alle, die unter solchen Cable Cams arbeiten, ist die wichtigste Lehre unbequem: Ein rauchendes Kabel ist kein Schönheitsfehler, sondern der letzte Moment, in dem man den Bereich noch verlassen kann und auch sollte. Wie sagte mal ein Erzieher aus meinen frühen Jugendtagen, zugegebenermaßen in einem anderen Zusammenhang, aber es passt hier einfach wunderbar: "Das Problem ist ja nicht das Herunterfallen, sondern das Aufkommen!"
Was hängen bleibt
Drei Dinge zum Mitnehmen. Erstens, fachliche Präzision lohnt: Nicht jede Seilkamera ist eine Spidercam, der Hersteller selbst hat eine Beteiligung zurückgewiesen, und die pauschale Schuldzuweisung an eine Marke ist journalistisch wie fachlich unsauber. Zweitens, die wahrscheinliche Ursache ist nicht das sagenumwobene einzelne "gerissene Seil", sondern ein elektrischer oder thermischer Defekt, der eine ganze Seilkaskade auslöste. Und drittens, die Technik ist im Normalfall bemerkenswert sicher, was sie aber nicht von sorgfältiger Wartung entbindet, im Gegenteil.
Sobald eine offizielle Untersuchung vorliegt, lohnt ein Nachtrag. Bis dahin gilt: Augen auf, auch nach oben. Die schönste Kamerafahrt nützt nichts, wenn das Vertrauen in die Aufhängung nicht durch Prüfprotokolle gedeckt ist. -
Beim WM-Auftakt am vergangenen Donnerstag, dem 11. Juni war es so weit: Der brasilianische Schiedsrichter Wilton Sampaio trug eine Kamera am Kopf, und Millionen sahen zum ersten Mal bei einer WM den Fußball aus der Perspektive des Unparteiischen. Was nach einer netten Spielerei für die Zuschauer aussieht, ist technisch und berufspolitisch eine kleine Sensation, und die Hintergrundgeschichte ist deutscher, als die meisten ahnen. Zeit für einen genaueren Blick.
Erst die Regel, dann die Kamera
Damit eine Kamera überhaupt an den Schiedsrichter durfte, musste zunächst das Regelwerk geändert werden. Beim 140. Jahrestreffen des International Football Association Board (IFAB) im Februar 2026 in Wales wurde die Regel 5 (Der Schiedsrichter) angepasst: Schiedsrichter-Kameras, ob brust- oder kopfmontiert, sind seither als Wettbewerbs-Option zugelassen, wobei der Wettbewerbsveranstalter die Kameras stellt und die Verwendung des Materials kontrolliert. Erst diese Regeländerung machte den WM-Einsatz möglich.
Ganz neu ist die Technik bei FIFA-Turnieren allerdings nicht. Schon bei der Klub-WM 2025 wurde sie getestet, und ausgerechnet der oberste Schiedsrichter-Funktionär wurde zum Fan. Pierluigi Collina, Vorsitzender der FIFA-Schiedsrichter-Kommission und bekanntlich kein Mann vorschneller Begeisterung, erklärte hinterher, die kopfmontierten Kameras seien "über unsere Erwartungen hinaus" gegangen. Sein Kommentar zur Wirkung: Man fühle sich mittendrin im Geschehen, erlebe die Geschwindigkeit und den Druck auf den Schiedsrichter.
Die deutsche Wurzel: ein Trainingstool aus dem Bergischen Land
Jetzt zum Teil, der uns besonders interessiert. Die RefCam-Technik stammt von Riedel Communications aus Wuppertal, jener Firma, die viele von uns als Intercom- und Signaltransport-Spezialisten kennen, von Bolero über MediorNet bis zum Artist-System. RefCam entstand in einem Joint Venture namens In-YS (In Your Shoes), gemeinsam mit den beiden DFB-Schiedsrichtern Patrick Kessel und Nicolas Winter, der zugleich Mitgründer und Geschäftsführer von In-YS ist.
Kessel, der im März auf dem Football Summit von SVG Europe sprach, erzählte die Entstehungsgeschichte: Vor rund sieben Jahren begann das Ganze als Trainingswerkzeug für Schiedsrichter, um Spiele aus der eigenen Perspektive nachzubereiten und so Stellungsspiel und Entscheidungen zu verbessern. Sein Bild dazu ist einleuchtend: Ein Stürmer, der einen Elfmeter verschießt, kann im Training hundert weitere schießen. Ein Schiedsrichter dagegen konnte sich bis dahin nur von außen auf Kameras sehen, nie aus seiner eigenen Perspektive, aus der er im Spiel tatsächlich entscheidet. Winters Motivation hat sogar einen berufsständischen Unterton: Die Kamera zeige die unvermittelte Realität und die wahre Geschwindigkeit der Entscheidungen, und das könne helfen, dem Nachwuchsmangel bei Schiedsrichtern entgegenzuwirken.
Werfen wir einen Blick auf die Technik, denn die ist gewachsen. Die Kamera sitzt nicht einfach am Kopf, sondern wird mittig am Ohr über einen maßgefertigten Ohrabdruck fixiert, ausgerichtet an der Blickrichtung des Trägers, was Stabilität und Tragekomfort sichert. Das Gesamtgewicht ist auf rund 14 Gramm optimiert, kaum spürbar. Übertragen wird das Bild nicht etwa klassisch per Funkstrecke ins Stadion, sondern über Riedels eigenes Easy5G, ein privates 5G-Netz, das HD-Video mit niedriger Latenz liefert und sich mit Bolero-Intercom, MediorNet und den RUN-Headsets verzahnt. Aus Datenschutzgründen lässt sich das Mikrofon stummschalten und abschalten, ein Detail, das im Profifußball mit seinen sensiblen Schiedsrichter-Dialogen alles andere als nebensächlich ist.
Wichtig für das Verständnis der WM-Variante: Riedel hat bereits eine elektronische Bildstabilisierung (EIS) in das System eingebaut, die das Bild ruhig hält und den Zuschauer in die Szene zieht. Dass Riedel im August 2024 zusätzlich den österreichischen Stabilizer-Spezialisten APEX Stabilizations übernommen hat, zeigt, wie ernst es dem Unternehmen mit dem Thema ruhige Bilder ist. Genau hier setzt später die WM-Stufe an, dazu gleich mehr.
Den Weg in die Öffentlichkeit nahm das System schrittweise über die Bundesliga: Der erste Einsatz fand bei Eintracht Frankfurt gegen VfL Wolfsburg statt, getragen von Schiedsrichter Daniel Schlager, zunächst nur zur Aufzeichnung, und das Material lief im 30-minütigen DFL-Format "Referees Mic'd up". Inzwischen ist RefCam auch live im Einsatz, etwa beim Klassiker in der ausverkauften Allianz Arena, und hat sich nach Angaben der Entwickler längst über den Fußball hinaus bewährt, vom Boxring bis zur Skipiste.
Der lange Weg über die Bundesliga
Sky Deutschland war früher Verfechter der Technik. Johanna Torchetti, Senior Manager Operations bei Sky Sport, schilderte auf dem Football Summit, wie überzeugt man war, dass dies das nächste große Ding werde, und das, obwohl die IFAB-Regel noch gar nicht geöffnet war.
Der erste Live-Einsatz in Deutschland kam vor drei Jahren auf charmantem Umweg: Bei einer kindgerechten Sky-Übertragung von Bayern gegen Dortmund trug zunächst eines der Einlaufkinder die Kamera, um den Gang aufs Spielfeld aus seiner Perspektive zu zeigen. Ein Jahr später nutzte der Schiedsrichter derselben Begegnung die RefCam zunächst nur zur Aufzeichnung, und in dieser Saison schließlich erstmals als Live-Kamera während des Spiels.
Interessant für die Einordnung des Aufwands: In der Frauen-Bundesliga, ebenfalls von Sky produziert, wertet die RefCam eine vergleichsweise schlanke Produktion mit nur sieben bis neun Kameras spürbar auf, indem sie das Replay-Material bei Toren, Abseits und Fouls verbessert. Und die Social-Media-Zahlen sind beachtlich: RefCam-Clips erzeugen rund zwei Millionen Aufrufe pro Wochenende, bei positiver Resonanz und, das ist berufspolitisch bemerkenswert, einer verbesserten Wahrnehmung der Schiedsrichter als nahbare Menschen.
Was die WM-Variante technisch besonders macht: zwei Stufen der Stabilisierung
Bei der WM ergänzt die RefCam den ohnehin üppigen Kameraplan aus 45 Positionen, von Pole- und Cablecams bis zu Ultramotion-, Superslowmotion- und Cine-Style-Kameras. Der entscheidende technische Fortschritt gegenüber dem Bundesliga-Einsatz liegt aber nicht in der Kamera selbst, sondern in einer zweiten Verarbeitungsstufe dahinter. Und genau hier lohnt es sich, sauber zu trennen, weil die meisten Berichte beides in einen Topf werfen.
Stufe eins ist die schon erwähnte elektronische Stabilisierung von Riedel, die direkt im Kamerasystem arbeitet und das grobe Wackeln glättet. Stufe zwei kommt von FIFA-Partner Lenovo und ist eine KI-basierte Echtzeit-Verarbeitung, die als zusätzliche Schicht über das Signal gelegt wird. Lenovo selbst spricht von einem Stabilisierungs-Overlay, das in Szenen mit starker Bewegung bis zu 50 Prozent weniger Bildzittern erzeugt und einen eigenständigen, sofort verfügbaren Broadcast-Stream liefert.
Technisch ist das anspruchsvoller, als es klingt, denn hier werden zwei verschiedene Probleme bekämpft. Das eine ist der Jitter, also das Verwackeln zwischen aufeinanderfolgenden Bildern, das sich über Bewegungsanalyse und zeitliche Glättung herausrechnen lässt. Das andere ist die Bewegungsunschärfe innerhalb eines einzelnen Bildes, die entsteht, wenn der Kopf des Schiedsrichters sich während der Belichtungszeit eines Frames schnell dreht. Genau diese Unschärfe war bisher der Grund, warum First-Person-Schiedsrichtermaterial schwer anzuschauen war. Eine KI, die Bewegungsunschärfe reduziert, muss Bildinhalte rekonstruieren, also gewissermaßen schätzen, wie die Kante eines Trikots oder die Linie des Spielfelds ohne den Verwischungseffekt aussähe. Das ist Rechenarbeit, die in Echtzeit nur mit ordentlich Leistung zu stemmen ist.
Und damit sind wir beim eigentlichen Grund, warum das im IBC Dallas passiert und nicht in der Cloud. Lenovo stellt dort leistungsstarke ThinkSystem-Server bereit und betreibt die Verarbeitung bewusst als On-Premise-Edge-Computing, also lokal am Ort des Geschehens, weil reine Cloud-Lösungen die Broadcast-Anforderungen an die Latenz nicht erfüllt hätten. Das Signal der Kamera wird in 1080i über das private 5G-Netz übertragen, im IBC durch die KI-Stabilisierung geschickt und steht der Host-Produktion dann als separater, sendefähiger Stream zur Verfügung. Bezeichnenderweise wurde gleich das erste Tor der WM, der Treffer von Julian Quinones beim 2:0 der Gastgeber Mexiko gegen Südafrika, über diese stabilisierte Schiedsrichter-Perspektive eingefangen.
Erprobt wurde die KI-Stufe schon bei der Klub-WM 2025 und beim FIFA Intercontinental Cup, vorgestellt hatten FIFA und Lenovo die neue Generation Anfang 2026 auf der Lenovo Tech World rund um die CES in Las Vegas. Zur Einordnung der Dimension: Lenovo bringt für die gesamte WM-Infrastruktur über 17.000 Geräte und mehr als 200 Ingenieure an die Spielorte und Trainingsanlagen und drückt die IPTV-Latenz auf unter fünf Sekunden. Die RefCam-Stabilisierung ist also nur ein kleiner, sichtbarer Teil eines sehr großen Technik-Aufbaus.
Bei aller Technikbegeisterung noch eine Einordnung, die gerade für unsere Diskussionen hier zählt: Die RefCam ist laut FIFA-Produktionschef Oscar Sanchez ausdrücklich keine Host-Broadcast-Kamera im klassischen Sinn, sondern wurde vom FIFA-Team für Fußball-Technologie und Innovation gemeinsam mit dem Schiedsrichter-Bereich entwickelt und dann für den Host-Feed verfügbar gemacht. Sie unterliegt eigenen Richtlinien und ist nicht Teil der ISO-Feeds für die Medienpartner. Eine der Aufgaben von HBS wird sein, dass die Produktionsteams in den USA, Kanada und Mexiko die Kamera einigermaßen einheitlich und nicht inflationär einsetzen, damit der Effekt nicht abstumpft.
Nicht nur Fußball: RefCam erobert andere Sportarten
Das Prinzip macht Schule. Die Europäische Handball-Föderation setzte Riedels kopfmontierte RefCam samt Easy5G-System am Finalwochenende der Männer-EHF-EURO 2026 ein, der erste Live-Broadcast-Einsatz des Riedel-Systems außerhalb des Fußballs. Im Basketball nutzte die Euroleague in der Saison 2023/24 brustmontierte Kameras des Anbieters Mindfly bei ausgewählten Derbys. Und beim Finale der Snooker-Weltmeisterschaft im Mai in Sheffield trug Schiedsrichter Rob Spencer eine winzige Kamera am Revers, deren Signal per Funk zum Ü-Wagen übertragen und dort in ein sendefähiges Signal gewandelt wurde, ein System der Firma Camera Innovations.
Bemerkenswert ist hier die Bandbreite der technischen Ansätze: kopf-, brust- und revermontiert, mal mit Funkstrecke zum Ü-Wagen, mal mit zentraler KI-Verarbeitung im IBC. Wir sehen gerade in Echtzeit, wie sich eine ganze Geräteklasse ausdifferenziert.
Warum uns das angeht
Die RefCam ist mehr als ein WM-Gimmick, und sie ist aus drei Gründen für unseren Berufsalltag relevant.
Erstens die Stabilisierung. Wer schon einmal Material aus einer Helm-, Body- oder Action-Kamera geschnitten hat, kennt das Grundproblem: Die Perspektive ist einzigartig, das Wackeln macht sie für längere Einstellungen unbrauchbar. Wenn KI-Stabilisierung in Echtzeit und auf Sendequalität jetzt im größten Live-Event der Welt funktioniert, ist absehbar, dass diese Technik in den nächsten Jahren auch in unsere normalen Produktionen einzieht, vom Sport-Feature über die Reportage bis zum Bodycam-Material.
Zweitens die Perspektive selbst. HBS-Senior-Producer Paul King bringt es schön auf den Punkt: Neue Technik liefere meist nur graduelle Verbesserungen, die RefCam dagegen etwas Unmittelbares. Man schaue sich einen Freistoß aus dieser Sicht an, und plötzlich sage jeder "Wow", weil man etwas sehe, das man so noch nie gesehen habe. Genau dieses "etwas, das einen zwischen die Augen trifft" ist im durchchoreografierten Spitzenfußball selten geworden.
Drittens der Ton, ein oft übersehener Aspekt. King empfiehlt ausdrücklich, sich die Clips mit Audio anzusehen, weil erst der Ton zeige, wie schwierig der Job sei und wie schnell die Schiedsrichter kommunizierten. Für uns ein guter Reminder: Eine neue Perspektive ist immer auch eine neue Tonquelle, mit allen dramaturgischen und rechtlichen Fragen, die das aufwirft.
Ausblick
Noch gibt es Einschränkungen, vor allem bei Live-Bildern und Live-Ton. Die nationalen Ligen hoffen, dass sich diese Beschränkungen nach der WM lockern, wenn die FIFA mit ihrem Einsatz vormacht, dass das Konzept funktioniert. Gut möglich also, dass wir in zwei, drei Jahren die RefCam nicht mehr als Sensation, sondern als selbstverständlichen Teil jeder größeren Fußballproduktion betrachten.
Für heute gilt: Beim nächsten strittigen Elfmeter lohnt der Blick auf die eingeblendete Schiedsrichter-Perspektive. Was da so beiläufig im Bild erscheint, ist das Ergebnis von sieben Jahren Entwicklungsarbeit, einer Regeländerung auf höchster Ebene und einer KI, die in Dallas das Gewackel aus dem Bild rechnet. Mehr Broadcast-Geschichte steckt selten in vierzehn Gramm. -
Nach dem Blick in den Maschinenraum der WM-Produktion schieben wir jetzt die gestalterische Seite nach. Denn SVG-Chefredakteur Ken Kerschbaumer hat sich kurz vor dem Anpfiff nochmal ausführlich mit FIFA-Produktionschef Oscar Sanchez und HBS-Senior-Producer Paul King zusammengesetzt, und das Gespräch beantwortet die Fragen, die uns als Gewerk eigentlich am meisten interessieren: Wer führt da eigentlich Regie? Wie hält man 104 Spiele konsistent, ohne den Regisseuren ihre Handschrift zu nehmen? Und was macht es mit einem Menschen, an einem Mischer mit 50 Quellen zu sitzen, während eine Milliarde Leute zuschauen?
Schluss mit der Euro-Zentrik
Fangen wir mit der Personalfrage an, denn da hat sich etwas Grundsätzliches verschoben. Historisch war die WM-Host-Produktion stark europäisch besetzt, aus nachvollziehbaren Gründen, wie Sanchez einräumt: ein eingespieltes Feld von Top-Profis. Diesmal hat sich die FIFA bewusst geöffnet und Talente aus Südamerika, den USA und anderen Regionen in die Teams geholt. Sanchez' Begründung ist entwaffnend: "Niemand kann behaupten, dass ein Land, das Weltmeister ist, wie Argentinien, Fußball nicht lebt und atmet."
Interessant auch, dass das Venue-Modell intern keineswegs unumstritten war. Es gab die Debatte, ob nicht weniger, reisende Crews der Konsistenz dienen würden. Am Ende gewann das Standort-Prinzip mit einem sehr pragmatischen Argument: Es garantiert, dass am Spieltag eine Crew vor Ort ist und nicht irgendwo am Flughafen feststeckt. Wer schon mal mit einer gestrandeten Crew einen Sendetermin gerissen hat, nickt an dieser Stelle wissend.
Wichtig für die Chemie am Set: Die Regisseure bringen ihre eingespielten Kernteams mit, Bildmischer, Production Assistants, Producer und Replay-Operatoren, ergänzt um lokale Profis aus den USA, Mexiko und Kanada, die so schnell wie möglich in die HBS-Produktionsweise integriert werden. King vergleicht das treffend mit den Teams auf dem Rasen: Die besten Einheiten arbeiten eng zusammen, trainieren zusammen, leben zusammen.
50 Quellen, eine Milliarde Zuschauer
Das stärkste Zitat des Interviews gehört Sanchez, und es verdient ein eigenes Kapitel, weil es etwas ausspricht, das in Technik-Diskussionen gern untergeht. "Wenn du als Regisseur jede oder jede zweite Woche mit 10 bis 14 Kameras arbeitest, wirst du sicher. Aber dann gehst du zu einer FIFA-WM, wo ein durchschnittliches Spiel 300 Millionen Menschen erreicht, je nach Turnierphase bis zu einer Milliarde, mit einem Kameraplan von 50 Kameras und dem Druck, nicht nur das Live-Signal, sondern alle Zusatz-Services zu liefern. Da geht es über technisches Wissen hinaus. Ich glaube, kaum jemand versteht, nicht einmal wir selbst, was es bedeutet, an einem Bildmischer mit 50 Quellen zu sitzen, bei einem Spiel, das die ganze Welt schaut."
Mental nimmt das die Leute mit, sagt Sanchez wörtlich. Dass ein FIFA-Produktionschef die psychische Belastung seiner Regisseure öffentlich anspricht, ist bemerkenswert, und überfällig. Wir reden in der Branche viel über Sensoren und Codecs, und viel zu selten darüber, was Verantwortung dieser Größenordnung mit den Menschen am Pult macht.
Kleine Fußnote zur Zahl: Im März war noch von 45 Kameras pro Spiel die Rede, Sanchez spricht jetzt von einem 50er-Kameraplan. Die Differenz dürfte in den Spezialsystemen liegen, zumal für die K.o.-Phase zusätzliche Ultra-Motion- und Super-Slomo-Kameras dazukommen und die Player-Cams zurückkehren, also isolierte Feeds auf je einen Spieler pro Mannschaft.
Regie ist Kultur: der Trainer-Schnitt und die französischen Künstler
Jetzt zum Bildgestaltungs-Teil, der mir persönlich am besten gefällt. King beschreibt offen, wie unterschiedlich Fußball-Regie auf der Welt gedacht wird, und das ohne jede Wertung. In südamerikanischen Ländern ist nach einem Tor der erste Schnitt traditionell auf den Trainer, selbst wenn der gerade gar nichts tut, weil dort die Trainer unter Dauerdruck stehen und ihre Reaktion als eigene Storyline gilt. In Europa dagegen sind die Spieler die Stars, also bleibt das Bild zuerst bei ihnen. Und die französischen Regisseure, so King augenzwinkernd, gelten als die Künstler der Zunft, "oder halten sich dafür", mit Vorliebe für viele Replays und Ultra-Motion-Reaktionen.
Wie kriegt man daraus ein konsistentes Produkt über 104 Spiele? Mit Guidelines, vielen Meetings und einer Grundregel, die Sanchez so formuliert: "Live ist deine Priorität." Wer das verinnerlicht und den Wechsel von der heimischen Liga-Routine zur Host-Broadcast-Logik schafft, darf seinen eigenen Stil durchaus einbringen. Kings Versprechen: "Wir werden den Leuten nicht sagen, wie sie Regie führen sollen."
Für uns Kameraleute ist das eine schöne Bestätigung: Bildführung ist eben kein neutrales Handwerk, sondern kulturell geprägte Erzählung. Derselbe Treffer, dieselben 50 Kameras, und trotzdem entscheidet die Herkunft des Regisseurs mit darüber, wessen Gesicht die Welt zuerst sieht.
QC: die unsichtbare Instanz hinter 104 Spielen
Und wer passt auf, dass das alles zusammenhält? Die redaktionelle Qualitätskontrolle, die FIFA und HBS seit Beginn ihrer Zusammenarbeit 2002 betreiben. Zu jedem einzelnen Spiel entsteht ein Report, und nicht nur dazu: Auch sämtliche Multi-Feeds, der Trainingstag vor dem Spiel und die Pressekonferenzen werden einzeln geprüft. Sanchez nennt den QC-Raum seinen Lieblingsort im Turnier, den einzigen Platz, an dem man alle 104 Spiele mit allen Feeds sehen kann.
Spannend ist die Etikette dahinter: Die QC-Leute funken den Regisseuren nicht direkt ins Spiel, das würde sich, so King trocken, kein Regisseur gefallen lassen. Stattdessen läuft das Feedback über die 16 Koordinations-Produzenten, die eng mit den Regisseuren arbeiten. Und King räumt mit einem Missverständnis auf: QC sei kein Raum, in dem Leute kritische Berichte schreiben, sondern eine Support-Einheit für 16 Teams, die mit einer Vielzahl von Problemen gleichzeitig jonglieren.
Der Messi-iPhone-Moment
Zum Schluss die Anekdote, die unsere Dauerdiskussion der letzten Wochen wunderbar abrundet. King verrät, dass der meistheruntergeladene Shot der gesamten WM 2022 die Aufnahme von Messis Jubel war, gedreht nicht mit einer Broadcast-Kamera, sondern mit einem iPhone. Sein Kommentar: "Das ist sicher ein Augenöffner für diejenigen von uns, die sich dem Veteranen-Status in der Branche nähern." Genau deshalb stehen im Kameraplan 2026 neben den klassischen Broadcast-Positionen auch Cine-Style-Kameras, 360-Grad-Systeme und Digital-First-Geräte, weil Content heute auf so vielen Wegen konsumiert wird.
Ihr erinnert euch an unsere Osmo-Pocket-Debatte und die Frage, ob Smartphone-Klasse-Geräte im Profi-Umfeld etwas verloren haben? Hier ist die Antwort des größten Sportproduzenten der Welt: Der wertvollste Einzelshot der letzten WM kam aus einem Telefon. Nicht weil das iPhone die bessere Kamera wäre, sondern weil es im richtigen Moment am richtigen Ort war und der Look zur Plattform passte, auf der der Moment gelebt hat.
Das Werkzeug folgt der Geschichte, nicht umgekehrt. Schöner kann man es nicht zusammenfassen, und ab morgen Abend können wir alle live zuschauen, wie 16 Teams, 50 Quellen und ein paar Telefone gemeinsam Fernsehgeschichte produzieren.
Quelle: SVG-Interview von Ken Kerschbaumer mit Oscar Sanchez (FIFA) und Paul King (HBS), 7. Juni 2026. -
Morgen rollt der Ball, und während sich der Rest der Republik über Kader-Nominierungen und Anstoßzeiten streitet, schauen wir auf das, was uns wirklich interessiert: Wie produziert man eigentlich 104 Spiele in 16 Stadien, verteilt über drei Länder und vier Zeitzonen, ohne dass die Crews dabei mehr Zeit im Flieger als am Sucher verbringen? Die Antworten von FIFA und Host Broadcast Services (HBS) sind teilweise erwartbar, teilweise bemerkenswert, und an einer Stelle ziemlich lehrreich für alles, was nach dieser WM im AÜ-Bereich kommt.
Das IBC in Dallas: 45.000 Quadratmeter Schaltzentrale
Als International Broadcast Centre dient das Kay Bailey Hutchison Convention Center in Dallas, ausgewählt wegen seiner zentralen Lage im Drei-Länder-Turniergebiet. Die Anlage umfasst 45.000 Quadratmeter und beherbergt den Host Broadcaster HBS, sämtliche FIFA-Medienpartner, die FIFA-Videoproduktion, die Abteilung für Fußball-Technologie und Innovation sowie den VAR-Raum. Zur Einordnung: Das sind gut sechs Fußballfelder Fläche, vollgestopft mit Regien, Schnittplätzen und Serverräumen. Eröffnet wurde der Komplex am 1. Juni, also mit sportlich knappen anderthalb Wochen Vorlauf bis zum Anpfiff.
Dass der VAR zentral aus Dallas arbeitet statt aus den Stadien, kennen wir im Prinzip schon aus Katar. Neu ist die Dimension: Die Entfernung zwischen Dallas und dem nördlichsten Spielort Vancouver beträgt rund 2.900 Kilometer, nach Mexiko-Stadt sind es 1.500. Jede Schiedsrichter-Entscheidung läuft also über Glasfaser quer über den Kontinent.
Der eigentliche Paradigmenwechsel: 16 Produktionsteams
Jetzt zum spannendsten Teil für alle, die selbst im Übertragungsgeschäft stecken. Erstmals arbeitet die FIFA mit 16 eigenständigen Produktionsteams, eines pro Spielort. FIFA-Produktionschef Oscar Sanchez begründet das unverblümt: "Der Hauptunterschied ist, dass wir mehr Crews brauchen, weil wir das Risiko minimieren müssen, dass Leute durch so große Länder wie die USA, Kanada oder Mexiko reisen." Die Personalauswahl und das Produktionsmodell wurden über die letzten vier bis fünf Jahre gemeinsam mit HBS entwickelt.
Das ist eine Abkehr vom klassischen WM-Modell, bei dem Produktionsteams mit den Spielen durchs Land rotierten. Bei einer WM in Katar mit zwölf Stadien im Umkreis von 50 Kilometern war Rotation trivial. Bei einem Turnier, das sich von Vancouver bis Mexiko-Stadt erstreckt, wird sie zum logistischen Albtraum: Reisezeiten, Jetlag, Hotelketten, Visa-Fragen zwischen drei Ländern. Die Lösung lautet also: mehr Personal, weniger Bewegung. Die Entscheidung für 16 Teams, die meisten in der WM-Geschichte, bedeutet zugleich, dass mehr Menschen, mehr Perspektiven und mehr Sprachen am Erzählen dieser WM beteiligt sind als je zuvor.
Der Kameraplan: 45 Kameras pro Spiel
Alle 104 Spiele bekommen Premium-Coverage mit 45 Kameras pro Spiel, darunter Polecams, Cablecams und RefCams, dazu Cine-Style-Kameras, 360-Grad-Systeme und Digital-First-Geräte. Zum Vergleich: In Russland 2018 waren es 37 Kameras plus Spezialsysteme. Die Richtung ist klar, mehr Spezialperspektiven, mehr cinematischer Look, mehr Material für die Plattformen jenseits des linearen Hauptsignals. Bei einer durchschnittlichen Reichweite von 300 Millionen Zuschauern pro Spiel, in den K.o.-Runden bis zu einer Milliarde, will sich die FIFA keine schwache Kameraposition leisten.
Interessant für uns ist das Stichwort "Digital-First-Geräte" im offiziellen Kameraplan. Wenn Smartphone-Klasse-Kameras inzwischen in der Premium-Coverage einer WM auftauchen, ist das ein weiterer Beleg für das, was wir hier im Forum schon mehrfach diskutiert haben: Die Grenze zwischen Profi-Equipment und Consumer-Technik verläuft längst nicht mehr entlang der Gerätekategorie, sondern entlang des Einsatzzwecks.
Die stille Revolution: Zentralisierte Bildtechnik über 2.900 Kilometer
Und jetzt der Teil, bei dem die AÜ-Kollegen unter euch genauer hinschauen sollten. Grafik, Replay und Shading sind komplett zentralisiert, mit einigen Replay-Operatoren vor Ort als Backup für Konnektivitätsverluste. HBS-Senior-Producer Paul King rechnet vor: "Mit 16 Teams bräuchtest du 16 Replay-Crews mit jeweils zehn, elf Operatoren. Das sind eine Menge Leute. Eine zentralisierte Einrichtung erlaubt uns, die Besten der Welt unter einem Dach zu versammeln, alle arbeiten an mehreren Spielen."
Lest den Satz mit dem Shading ruhig zweimal. Die Bildtechnik sitzt nicht im Ü-Wagen am Stadion, sondern in Dallas, und fährt die Kameras über teils tausende Kilometer Distanz. Remote-Shading kennen wir aus kleineren Produktionen, aber bei einem Live-Event dieser Größenordnung, mit einer Milliarde Zuschauern im Endspiel, ist das eine Ansage. Wenn das funktioniert, und davon ist nach den Testläufen bei der Klub-WM 2025 auszugehen, wird kein Sender-Controller dieser Welt das Argument "geht bei uns nicht" noch lange akzeptieren. Die Diskussion über Remote-Bildtechnik bei nationalen Produktionen dürfte nach diesem Sommer eine andere sein.
KI im Host-Feed: Avatare und entwackelte RefCams
Zwei KI-Innovationen schaffen es diesmal in den Host-Feed. Erstens KI-generierte 3D-Spieler-Avatare: Jeder Spieler wird bei der Ankunft digital gescannt, der Vorgang dauert etwa eine Sekunde pro Spieler, und liefert präzise 3D-Modelle mit exakten Körpermaßen. Diese Modelle fließen in die Host-Übertragung ein und machen Abseitsentscheidungen des VAR-Systems realistischer und anschaulicher. Zweitens die stabilisierte Schiedsrichter-Perspektive: Aufbauend auf einem erfolgreichen Test bei der Klub-WM 2025 glättet KI-Stabilisierungssoftware das Material der RefCam in Echtzeit und reduziert die Bewegungsunschärfe.
Die RefCam-Stabilisierung ist dabei der Punkt mit Praxisrelevanz über die WM hinaus. Wer schon mal Material aus einer Helm- oder Körperkamera geschnitten hat, kennt das Grundproblem: Die Perspektive ist Gold wert, das Gewackel macht sie unbrauchbar für längere Einstellungen. Wenn Echtzeit-Stabilisierung auf Sendequalität jetzt im größten Live-Event der Welt funktioniert, kommt diese Technik absehbar auch in unsere Welt, vom Sport-Feature bis zur Polizei-Reportage mit Bodycam-Material.
Der deutsche Workflow: Steuerung aus Ismaning, Studio in New YorkAuch auf deutscher Seite lohnt der Blick hinter die Kulissen. Die Telekom hält bekanntlich die kompletten Rechte, MagentaTV zeigt alle 104 Spiele, 44 davon exklusiv, während ARD und ZDF per Sublizenz 60 Spiele übertragen, darunter alle Partien der deutschen Mannschaft. Dahinter steht ein gestaffeltes Partnernetz, das eine Pressemitteilung allein selten sauber abbildet, deshalb hier die ganze Kette: Generalunternehmer der Telekom ist Thinxpool TV mit der redaktionellen und produktionellen Gesamtverantwortung. DMC Production Germany, das frühere Plazamedia, liefert im Auftrag von Thinxpool die interne Produktionsinfrastruktur an beiden Standorten, also Bühnenbau, LED-Wände, Analysegrafik, Playout und File-Management in Ismaning und New York.
Und jetzt der Teil, der uns als Gewerk am meisten interessiert, und den ihr in den Hochglanz-Meldungen leicht überlest: Die eigentliche Übertragungs- und Remote-Technik kommt von TV Skyline. Deren Aufgabe ist die Sende- und Übertragungstechnik des New Yorker Studios in einem Remote-Konzept zwischen New York, den Stadien in Nordamerika, dem DFB-Camp in Winston-Salem und dem Sendezentrum in Deutschland. Dafür steht das Ü12 UHD von TV Skyline am Studio in Ismaning und übernimmt das komplette Signalmanagement der Remote-Produktion. Die gesamte Produktionskette läuft dabei erstmals vollständig in HDR.
Lasst euch das auf der Zunge zergehen: Ein Ü-Wagen in Ismaning bei München ist der Dreh- und Angelpunkt für eine WM-Berichterstattung, deren Spiele über drei nordamerikanische Länder verteilt sind. Das Moderationsstudio steht am One World Trade Center in New York, gesteuert wird aus Bayern. Was vor wenigen Jahren noch als riskantes Experiment galt, ist 2026 der Normalfall. Und es ist genau die Remote-Logik, über die wir oben schon beim Host Broadcaster gesprochen haben, nur diesmal aus deutscher Hand. Die Reisekosten- und Personalrechnung hat eben auch hier gewonnen.
Am Rande bemerkenswert: Fox Sports hat seinen Workflow kurzfristig geändert und streamt nicht mehr in nativem 4K, das Quellsignal liegt nun in 1080p HDR vor und wird auf 4K hochskaliert, eine Begründung nannte Fox nicht. Die alte Branchenweisheit bestätigt sich also auch bei der größten Produktion der Welt: 1080p mit sauberem HDR schlägt in der Praxis-Abwägung oft das native 4K, von dem das Marketing so gern erzählt.
Die Schattenseite: Wer darf überhaupt rein?
Bei aller Technikbegeisterung gehört zur ehrlichen Bestandsaufnahme auch dieser Teil. Die Internationale Sportpresse-Vereinigung AIPS hat am 5. Juni einen formellen Protestbrief an die FIFA geschickt: Vielen akkreditierten Journalisten aus mehreren afrikanischen Ländern wurden US-Visa verweigert, andere erhielten nur Single-Entry-Visa, die es unmöglich machen, Teams über die drei Gastgeberländer hinweg zu begleiten. Was das praktisch heißt, zeigt der Spielplan der Elfenbeinküste: Philadelphia, Toronto, Philadelphia. Mit Single-Entry-Visum ist nach dem Kanada-Spiel Schluss. Die FIFA bestätigt den Eingang des Briefs und verweist darauf, dass Einreisefragen letztlich konsularische und einwanderungsrechtliche Angelegenheiten seien.
Für uns als Gewerk ist das mehr als eine Randnotiz. Die schönste 45-Kamera-Produktion nützt wenig, wenn ein Teil der Kollegen, die sie begleiten, dokumentieren und einordnen sollen, am Konsulat scheitert. Eine Weltmeisterschaft, zu der die Welt nicht anreisen kann, bleibt auch produktionstechnisch ein Widerspruch in sich.
Was hängen bleibt
Drei Beobachtungen zum Mitnehmen: Erstens, das 16-Teams-Modell und die zentralisierte Bildtechnik aus Dallas sind ein Großversuch für die Zukunft der AÜ-Welt, und seine Ergebnisse werden die Remote-Diskussion auch bei uns prägen. Zweitens, der offizielle Kameraplan mit Cine-Style-, 360- und Digital-First-Geräten neben den klassischen Systemkameras bestätigt den Trend zur gemischten Flotte, den wir aus dem eigenen Berufsalltag kennen. Und drittens, die spannendsten technischen Innovationen dieser WM, Remote-Shading über Kontinentaldistanz und Echtzeit-Stabilisierung, sind genau die, die in zwei, drei Jahren in unseren normalen Produktionen ankommen werden.
In diesem Sinne: Augen auf beim Zuschauen. Nicht nur auf den Ball, sondern auch auf die Bildränder, die Perspektivwechsel und die RefCam-Einblendungen. Da läuft gerade das größte Live-Labor unserer Branche. -
Kurz nachdem GoPro mit der Mission-1-Serie versucht hat, ins professionelle Segment vorzustoßen, kommen ernste Nachrichten aus San Mateo: Der Action-Cam-Pionier hat in seinen Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC erhebliche Zweifel an der eigenen Fortführungsfähigkeit offengelegt. Im Fachjargon heißt das "substantial doubt about the ability to continue as a going concern", und es ist genau das, wonach es klingt.
Was passiert ist
Anfang Juni 2026 hat GoPro seinen Jahresabschluss nachträglich aktualisiert. Der Grund: Umstände, die nach der ursprünglichen Einreichung im März eingetreten sind, werfen ernste Fragen zur Liquidität auf. Auch die Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers haben ihrem Bericht den entsprechenden Warnhinweis hinzugefügt.
Der Kern des Problems: GoPro hat anhaltende operative Verluste und negative Cashflows. Dazu kommen Kreditverpflichtungen, die innerhalb der nächsten zwölf Monate fällig werden, sofern bestimmte vertragliche Bedingungen nicht eingehalten werden. Nach eigener Einschätzung erwartet das Unternehmen nicht, genug Liquidität zu haben, um seine Verpflichtungen im kommenden Jahr zu erfüllen.
Besonders pikant ist eine Cross-Default-Klausel in den Kreditverträgen: Ein Zahlungsausfall unter einer Vereinbarung kann automatisch Ausfälle unter den anderen auslösen. GoPro steht deshalb in aktiven Verhandlungen mit seinen Gläubigern.
Was GoPro dagegen tut
Schon im Mai hat der Vorstand grünes Licht für die Prüfung strategischer Alternativen gegeben. Die Investmentbank Houlihan Lokey wurde engagiert, um einen möglichen Verkauf des Unternehmens oder andere Optionen zu evaluieren. Gründer und CEO Nicholas Woodman spricht von "substanziellem, nicht erkanntem Wert", der sich über einen Verkauf realisieren lasse.
Interessant ist die Richtung, in die GoPro blickt: Das Unternehmen prüft ausdrücklich Chancen im Verteidigungs- und Luftfahrtsektor, um die vorhandene Kameratechnologie in neue Märkte zu überführen. Die unaufgeforderten Kaufanfragen kamen laut Unternehmen aus den Bereichen Verteidigung, Konsumgüter und Finanzwesen. Die Q1-Zahlen lagen mit 99 Millionen Dollar Umsatz immerhin innerhalb der eigenen Prognose.
Was das für uns bedeutet
Für den klassischen EB-Alltag war GoPro nie eine Hauptkamera, aber als Spezialwerkzeug für Onboard-Aufnahmen, POV-Perspektiven, Helm- und Fahrzeug-Montagen hat sich die Action-Cam ihren festen Platz erarbeitet. Die kürzlich vorgestellte Mission-1-Serie mit internem 32-Bit-Float-Audio war GoPros ehrgeiziger Versuch, ins höherwertige Segment vorzustoßen. Vor dem Hintergrund der Finanzlage wirkt dieser Vorstoß nun eher wie ein letzter Befreiungsschlag als wie eine Position aus der Stärke.
Wichtig zur Einordnung: Eine Going-Concern-Warnung ist nicht gleichbedeutend mit Insolvenz. Es ist eine formale Warnung der Wirtschaftsprüfer, dass ohne erfolgreiche Gegenmaßnahmen ein ernstes Risiko besteht. Verkauf, Refinanzierung oder Asset-Verkäufe können die Lage drehen. Viele Unternehmen haben solche Phasen überstanden, manche nicht.
Wer GoPro-Equipment im Einsatz hat, muss nicht in Panik verfallen. Aber wer gerade über eine Neuanschaffung oder den Aufbau eines GoPro-basierten Workflows nachdenkt, sollte die Entwicklung im Auge behalten. Bei Fragen wie Garantieabwicklung, Ersatzteilversorgung und langfristiger Software-Pflege (Stichwort Quik-App und Cloud-Abos) lohnt sich aktuell ein vorsichtiger Blick. Wir bleiben dran und halten euch auf dem Laufenden. -
Auflösung mit Ansage: Die ESC-Panne war ein Kabelbruch
Okay, wir können aufhören zu spekulieren. Denn jetzt liegt die Ursache offiziell auf dem Tisch. In der neuen Doku von CineD und ARRI über die Eurovision-Produktion benennt das ARRI-Team den Grund unmissverständlich: ein gebrochenes Kabel am Funksender einer der drahtlosen Kameras. Bildfreeze, und keine alternative Schnittmöglichkeit verfügbar, weil Daniel Žižka zu diesem Zeitpunkt in einer Spiegelbox und damit quasi in einem "Faradayschen Käfig" performte.
Damit bestätigt sich genau die Lesart, die ich vor ein paar Tagen formuliert hatte: kein Sensorfehler, sondern ein Problem an der HF-Strecke. Manchmal ist die unspektakulärste Erklärung die richtige. Ein Kabel. Mehr nicht.
Doch die Doku kann weit mehr als Pannen-Aufklärung. Sie zeigt, wie 24 'ALEXA 35 Live' in einen Ü-Wagen wandern, der für Grass-Valley-Technik gebaut wurde. Wie ARRI für 35 Acts über 50 Live-LUTs einsetzt und auf der Show ein eigenes Automations-Tool programmiert, das die Looks im Takt der Sendeablaufsteuerung an alle Kameras schiebt. Wie B4-Broadcastlinsen am Super-35-Sensor Licht fressen und die Kameras bis ISO 5000 hochgezogen werden. Und wie Kameraleute, die jahrzehntelang an der herkömmlichen Broadcast-Mühle standen, sich an eine völlig neue Schärfentiefe-Logik gewöhnen mussten.
Es ist die Geschichte eines Markteintritts in ein Segment, das jahrzehntelang Sony und Grass Valley gehörte. Mit allen Reibungen, die so ein Schritt mit sich bringt.
Wer wissen will, wie sich Cinema Broadcasting in der härtesten Live-Umgebung der Welt schlägt, sollte sich die Doku unbedingt ansehen.
Wie schätzt ihr es ein: Schluckauf einer Premiere oder Blaupause für die Zukunft der Live-Produktion? Diskutiert mit.Externer Inhalt www.youtube.comInhalte von externen Seiten werden ohne deine Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.Durch die Aktivierung der externen Inhalte erklärst du dich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu haben wir in unserer Datenschutzerklärung zur Verfügung gestellt. -
DJI hat am 16. April 2026 die vierte Generation seiner Osmo-Pocket-Reihe vorgestellt, und die Fachpresse bei film-tv-video.de bis hin zu den großen YouTube-Channels überschlägt sich mit Lob. Die Zielgruppe ist klar definiert: Vlogger, Solo-Shooter, Content Creator, all jene, die mit minimalem Aufwand maximale Bildqualität wollen. Nun zur eigentlich spannenden Frage, die kaum ein Test stellt: Hat dieses kleine Ding auch eine Berechtigung im klassischen EB-Berufsalltag, etwa als handliche Zweitkamera neben dem Schulter-Camcorder?
Was die Pocket 4 mitbringt
Die nüchterne Bestandsaufnahme: Ein 1-Zoll-CMOS-Sensor in Kombination mit f/2.0-Blende, ein Dynamikumfang von 14 Blenden (gegenüber 13,5 beim Vorgänger), echtes 10-Bit D-Log statt nur D-Log M und HLG, 4K-Auflösung bis 60 fps, Zeitlupe in 4K bis 240 fps. Dazu drei-Achsen-Gimbal-Stabilisierung, Active Track 7, ein 2-Zoll-Touchscreen mit 1000 Nit und ein interner Speicher von 107 GB plus MicroSD-Slot.
Akku: bis zu 240 Minuten bei 1080/24p, schnelles Laden auf 80 Prozent in 18 Minuten. Im 4-Kanal-Audio-Modus lassen sich zusätzlich DJI-Mic-Sender direkt einbinden.
Der Preis ist das, was die Diskussion erst interessant macht: Standard-Combo 499 Euro, Kreativ-Combo mit DJI-Mic-3-Sender, Fülllicht, Weitwinkelobjektiv und Ministativ für 619 Euro, optionaler Akkugriff für 69 Euro und ein 3'er-Set magnetischer Grau-Filter (ND16, ND64 und ND256) für zusätzlich 59 Euro. Zur Einordnung: Für den Preis eines mittleren Sony-V-Mount-Akkus bekommst du hier eine komplette Kamera plus Funkstrecke.
Wo sie im EB-Alltag wirklich glänzen könnte
Drei Szenen aus dem Berufsalltag, in denen das Konzept aufgeht:
Enge Räume. Du sollst eine Reportage über eine Werkstatt drehen, in der ein Mechaniker unter einem Auto liegt. Mit dem Schulter-Camcorder kannst du die Perspektive vergessen, mit dem Smartphone bekommst du Wackelbilder, mit der Pocket 4 fährst du in stabilisierter Qualität durch das Motorraum-Innenleben. Ähnliche Szenarien: enge Gänge, Einsatzfahrzeuge der Polizei/Feuerwehr und Krankenwagen, OP-Säle, Küchen, Werkstätten, Übungsräume in Musikschulen. Überall dort, wo "klein, leicht, stabilisiert" mehr zählt als jeder andere technische Parameter.
Auto-Mitfahrten und POV-Aufnahmen. Der Tester von film-tv-video.de hat das Gerät am Fahrrad und im Auto eingesetzt, mit ehrlicher Praxis-Erkenntnis: Direkt am Fahrzeug befestigt vibriert das Bild zu stark, weil eine Z-Achsen-Stabilisierung sowie ein Isolator fehlen. Sobald man aber den eigenen Körper "dazwischenschaltet", verschwinden die Vibrationen. Für klassische EB-Anwendungen bedeutet das: In der Hand des Filmenden, vom Beifahrersitz aus, mit dem Körper als Dämpfer, funktioniert die Kamera erstaunlich gut für Mitfahr-Sequenzen, die früher - klassisch verkabelt - aufwendig gewesen wären.
Schnelle Schnittbilder und B-Roll. Wenn dein Magazinbeitrag fünf Bilder vom Marktstand braucht, dem Kollegen mit dem Topf hinterher, dem Tropfen Olivenöl in Großaufnahme, dann holt man das Ding in zwei Sekunden aus der Brusttasche und ist einsatzbereit. Kein Akku-Wechsel, kein Stativ aufstellen, einfach loslegen.
Wo sie scheitert
Jetzt die ehrliche Gegenrechnung. Eine Kamera, die für Solo-Shooter konzipiert wurde, hat im klassischen EB-Setup einige strukturelle Probleme:
Keine professionellen Anschlüsse. Kein XLR-Eingang, kein BNC, kein SDI, keine LANC-Steuerung, kein Tally. Wer auf eine Funkstrecke außerhalb des DJI-Ökosystems angewiesen ist, bekommt sie nicht angeschlossen. Wer einen externen Recorder über SDI füttern will, hat verloren. Die Kamera lebt in ihrer eigenen Welt.
4:2:0 statt 4:2:2. Die Pocket 4 zeichnet weiterhin in 4:2:0 auf, nicht in 4:2:2. Für Standard-EB-Anwendungen reicht das in den meisten Fällen, aber sobald Greenkey, kräftige Farbkorrektur oder anspruchsvolles Matching im Spiel sind, stößt das Format an Grenzen.
Kein Telezoom. Was so einem kleinen Gimbal auf jeden Fall fehlt, ist ein echter Transfokator - sprich optischer Telezoom. Die Konkurrenz hat das schon vorgemacht. Für EB heißt das: Pressekonferenzen ab der dritten Stuhlreihe, Sport-Sequenzen, Beobachtungs-Aufnahmen aus der Distanz, alles nicht im Zuständigkeitsbereich der Pocket 4.
Fokuspumpen bei komplexen Vordergründen. Wenn sich Hindernisse wie Äste oder Strukturen vor dem getrackten Objekt befinden, kommt es zu Fokuspumpen, während das Tracking selbst sauber weiterläuft. Eine manuelle Fokus-Einstellung wäre an dieser Stelle hilfreich, fehlt aber (noch).
Die Frage der Workflow-Integration
Hier wird es für uns Berufstätige besonders interessant. Das Material muss am Ende durch den Redaktions-Workflow, und da entscheidet sich, ob die Kamera mehr ist als ein Spielzeug für Wochenend-Drehs.
D-Log zu Rec.709. Die meisten EB-Workflows arbeiten in Rec.709 oder HLG. Die Pocket 4 liefert echtes D-Log, das gewandelt werden muss. Der DCM-Workflow oder die offizielle DJI-LUT von D-Log zu Rec.709 funktionieren beide gut, was im Test von film-tv-video.de bestätigt wurde, einschließlich erfolgreichem Matching mit Red-Material nach der Farbkorrektur. Übersetzt: Mit etwas Zuwendung in der Postproduktion ist das Material durchaus sendetauglich.
MP4-Wandlung auf 1920x1080/50. Einige Sendeanstalten verarbeiten das Material von Drohnen und Action-Cams während des Ingest-Prozesses immer noch mit dem Anlieferformat MP4 in 1920x1080/50, gerade im Magazin- und Aktualitäten-Bereich. Aus 4K bei 60p heraus ist das eine doppelte Konvertierung (Auflösungs- und Framerate-Anpassung), die im Schnitt sauber gemacht werden muss. Wer die Pocket 4 direkt in einem 50p-Modus aufnimmt (1080p50 ist möglich), spart sich diesen Schritt. Wichtig zu wissen: Die 240-fps-Zeitlupe ist nur ohne Log verfügbar, das schränkt den Spielraum bei extremen Zeitlupen-Effekten ein.
Matching mit der Hauptkamera. Die größere Herausforderung ist meist nicht der Codec, sondern das Look-Matching. Eine Pocket 4 sieht anders aus als eine Sony PXW-Z750 und natürlich auch ganz anders, als eine Vollformat-Kamera wie die FX6/FX9. Die Schärfentiefe ist anders, das Rauschverhalten ist anders. Das lässt sich im Grading angleichen, kostet aber Zeit, die im EB-Tagesgeschäft selten da ist. Wer die Pocket 4 als reines Schnittbild-Werkzeug einsetzt, hat damit weniger Probleme als wer sie für lange Sequenzen einplant.
Codec-Frage. Die Kamera nimmt H.265 oder H.264 auf. Beide werden von ARD, ZDF und allen Privaten verarbeitet. Was du allerdings genau klären solltest, bevor du auf eine Großproduktion gehst: Manche Postpro-Abteilungen wollen für kritische Schnittsequenzen Prores oder DNx-Material, das die Pocket 4 nicht liefert. Für Standard-Beiträge ist das Material aber problemlos verwendbar.
Wer braucht das im EB-Alltag, wer nicht
Drei klare Einschätzungen:
Ja, lohnt sich: Für freie EB-Kameraleute, die regelmäßig Mehr-Kamera-Setups mit kleinem Budget umsetzen müssen, ist die Pocket 4 ein echtes Werkzeug. Doku-Drehs, Reportagen mit beengten Locations, Magazinbeiträge mit dynamischen Schnittbildern. Wer für die Pocket 4 Verwendung hat, hat sie täglich.
Vielleicht: Für Stamm-EB-Teams größerer Produktionsfirmen oder Sender. Die Kamera kann in der Tasche liegen für Sondersituationen, ohne dass jemand sie aktiv plant/disponiert. Wenn der Caddy schon mit Hauptkamera, Stativ, Funkstrecke, Licht und Mikroport-Kit voll ist, ist eine 500-Euro-Zweitkamera ohne nennenswerten Platzbedarf nicht die schlechteste Investition.
Nein: Als Ersatz für eine klassische zweite Schulter- oder Schulter-fähige Kamera taugt sie nicht. Wer in der AÜ-Welt unterwegs ist, Live-Schalten machen muss oder Pressekonferenzen abdeckt, braucht etwas anderes. Auch wer die Kamera als primäres (alleiniges) Aufnahmegerät für klassische EB-Beiträge einsetzen möchte, sollte beim Schulter-Camcorder bleiben, gerade bei Drehs mit großen Optiken, externem Audio über XLR und klassischem Broadcast-Workflow.
Fazit
Die DJI Osmo Pocket 4 ist genau das, wofür DJI sie konzipiert hat: ein Werkzeug für Solo-Shooter, Vlogger und mobilen Content. Für EB-Anwendungen ist sie weder gedacht noch geeignet als Hauptkamera oder vollwertige Zweitkamera. Aber als spezialisiertes Werkzeug für genau die Situationen, in denen die Hauptkamera zu sperrig wird, ist sie zum Preis eines guten Akkus eine durchaus überlegenswerte Ergänzung.
Was bleibt: Die Frage, ob Influencer-Equipment im Profi-Setup Platz hat, ist 2026 keine ideologische mehr. Es kommt nicht auf die Zielgruppe an, für die ein Gerät beworben wird, sondern darauf, ob es konkrete Probleme im Berufsalltag löst. Die Pocket 4 löst einige. Nicht alle, nicht die wichtigsten, aber einige.
Wer sie ehrlich einsetzt, bekommt einen kleinen Bildlieferanten zum kleinen Preis. Wer mehr erwartet, sollte beim Schulter-Camcorder bleiben. -
ARRI-Premiere mit Schönheitsfehler: Die Panne beim tschechischen ESC-Beitrag und was wir (noch) nicht wissen
Liebe Kollegen,das ESC-Finale ist vorbei, und mit ihm die mit Spannung erwartete Live-Premiere der ARRI ALEXA 35 Live in einer Großproduktion dieser Dimension. Wer den Auftritt von Daniel Žižka mit "Crossroads" gesehen hat, weiß: ganz pannenfrei verlief sie nicht. Was während der tschechischen Performance passiert ist, ist technisch interessant genug, um es hier mal in Ruhe auseinanderzunehmen - mit der wichtigen Einschränkung, dass wir uns mangels offizieller Stellungnahmen von ORF, NEP, ARRI oder Riedel bislang im Bereich der Spekulation bewegen. Bitte beim Lesen beachten.
Was wir gesehen haben
Žižka performt in einer Installation aus fahrbaren Spiegelwänden, also einem optisch heiklen Setup, bei dem Kamerapositionen, Bewegungsabläufe und Reflexionen exakt aufeinander abgestimmt sein müssen, damit weder Operator noch Rigs ins Bild geraten. Über mehrere Sekunden hinweg zeigten sich im Sendebild deutliche horizontale Streifen, kurzzeitig fror sogar das Bild ganz ein, und es wurde ein Kamera-Operator mit einer - aus meiner Einschätzung der Bewegtbilder - untersichtig operierenden Easyrig-Handkamera sichtbar.Externer Inhalt www.youtube.comInhalte von externen Seiten werden ohne deine Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.Durch die Aktivierung der externen Inhalte erklärst du dich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu haben wir in unserer Datenschutzerklärung zur Verfügung gestellt.
Mehrere Quellen sprechen davon, dass der Kollege gestolpert oder gestürzt sei. Ich selbst konnte einen Sturz im Bewegtbildmaterial nicht eindeutig erkennen, übernehme die Beobachtung aber vorerst aus den Berichten. Insgesamt war ein längeres Zeitfenster davon betroffen, in dem das Sendebild offenbar weitgehend von einer einzigen mobilen Kameraposition kam.
Welche Kamera war das eigentlich?
Hier wird es interessant, weil sich die Berichterstattung uneins ist. Einige ESC-Fachseiten schreiben kategorisch von einer "Steadycam". Aus Sicht eines Kameramanns, der sich das Material in Ruhe anschaut, spricht aber einiges dafür, dass die betroffene Kamera nicht an einer klassischen Steadicam, sondern an einem Easyrig hing und als Handkamera geführt wurde. Bewegungscharakter, Höhenführung und das beengte Manövrieren zwischen Spiegelflächen passen besser zu einem Easyrig-Setup als zu einer Steadicam-Operation mit Vest und Iso-Elastic-Arm. Bestätigt ist das nicht. Es ist meine persönliche Lesart und sie kann am Ende falsch sein.
Zur Erinnerung zur Setup-Größenordnung: Im ESC-Pool waren laut Produktionsangaben 9 RF-Positionen verbaut, darunter 4 Handheld-Rigs, 4 Steadicams und eine Rail-Cam. Beide Hypothesen sind also rein vom Inventar gedeckt.
Die Streifen: das eigentlich interessante Symptom
Hier wird es technisch. Horizontale, durchs ganze Bild laufende Streifen sind in einem Live-Setup mit drahtloser Übertragung ein sehr typisches Symptom für eine gestörte HF-Strecke. Wenn der Funklink Pakete verliert, der Sender unterhalb seiner Mindestleistung arbeitet oder ein Antennenpfad mechanisch gestört ist, treten genau solche Banding-Artefakte und Bildaussetzer auf, bis hin zum kompletten Freeze, wenn der Decoder im Ü-Wagen den Sync verliert.
Falls die Kamera tatsächlich mit einer Spiegelfläche kollidiert oder gegen ein Element der Inszenierung gestoßen ist, ist es absolut plausibel, dass am Funksender etwas mechanisch beschädigt wurde: eine Antenne verbogen, ein BNC-Übergang gelockert, ein Akku-Pack mit Wackelkontakt, im schlimmsten Fall der Sender selbst. Das Bild-Symptom würde dazu passen. Auch das wäre allerdings eine Hypothese, kein Befund - solange ARRI, Riedel oder NEP nichts dazu sagen, bleibt es eine fachlich begründete Vermutung.
Was sonst noch in Frage kommt
Zwei weitere Erklärungen sind technisch denkbar und sollten der Vollständigkeit halber benannt sein:
Rolling-Shutter-Interferenz mit der LED-Wand. Die ALEXA 35 Live arbeitet, wie ihre Schwester aus dem Kinosegment, mit Rolling Shutter, nicht mit Global Shutter. Bei großflächigen LED-Wänden, wie sie der ESC einsetzt (rund 500 Quadratmeter), kann das zu Banding-Effekten führen, wenn die Frame-Synchronisation zwischen Kamera und LED-Wall nicht sauber sitzt. Das ist von Insidern der Produktion offen kommuniziert worden und gehört zu den Kompromissen dieser Premiere. Allerdings würden Rolling-Shutter-Artefakte typischerweise anders aussehen, nämlich als rollende Helligkeits- oder Farbbänder und nicht als die scharfen horizontalen Streifen, die hier zu sehen waren. Ich halte das daher für die unwahrscheinlichere Erklärung, ausschließen kann ich es aber nicht.
Defekt in der Signalkette nach der Kamera. Acht der 24 ALEXA 35 Live laufen über SMPTE-Glasfaser, die übrigen via SDI oder drahtlos. Theoretisch könnte auch ein Glied weiter hinten in der Kette betroffen sein (Empfänger, Konverter, Routing über das ST-2110-IP-Netz). Bei dem dort gefahrenen redundanten Main-Backup-Konzept wäre das aber ungewöhnlich, weil das System eigentlich automatisch umschalten sollte. Auch hier: ohne offizielle Information bleibt es Spekulation.Die EBU-Entscheidung: branchenpolitisch heikel
Unabhängig von der technischen Ursache lohnt der Blick auf die Verbandsseite. ČT hat formal Einspruch eingelegt und um eine Wiederholung am Ende der Startreihenfolge gebeten. Die EBU hat den Antrag abgelehnt und in ihrer Begründung von einem "kleinen Kameraproblem" gesprochen, das Performance und Audio nicht beeinträchtigt habe.
Hier wird es aus Broadcast-Sicht unangenehm. Wir reden über rund 45 Sekunden sichtbarer Bildstörung, einen im Bild aufgetauchten Operator und eine im Sendebild eingefrorene Phase. Das als "minor camera issue" zu deklarieren, ist eine bemerkenswert robuste Sprachregelung. Die Eurovision-Regeln sehen für solche Fälle ausdrücklich die Möglichkeit einer zweiten Performance vor; präzedent ist 2010 (Spanien, Bühnenstürmer bei Daniel Diges). Auch im aktuellen Wettbewerb gibt es jüngste Vergleichsfälle: Zoë Më in Basel 2025 hatte im Halbfinale dasselbe Symptom (eingefrorenes Bild), und auch Norwegens KEiiNO wurde seinerzeit eine Wiederholung verweigert.
Man kann hier kollegial unterschiedlicher Meinung sein, aber die Schieflage ist sichtbar: Wenn die EBU ihre eigene Regel-Logik so streng auslegt, dass ein 45-Sekunden-Bildausfall in einem Showformat, bei dem die Inszenierung mitbewertet wird, als "minor" durchgeht, sollte sie zumindest die Definition mal anfassen. Žižka landete am Ende auf Platz 16 mit 113 Punkten; ob das mit störungsfreier Bildregie anders ausgegangen wäre, weiß niemand. Tatsache ist, dass beim ESC inzwischen ein nicht unerheblicher Teil der Wertung an der visuellen Umsetzung hängt, nicht nur am Gesang.
Was die Panne für ARRI bedeutet
Und damit zum eigentlichen branchenpolitischen Punkt. Es war die mit Abstand größte Live-Bewährungsprobe für die ALEXA 35 Live und für die noch sehr junge ARRI-Riedel-Konstellation. 24 von 28 Kameras im Hauptsaal, der Einstieg in ein Segment, das bislang fest in der Hand von Sony und Grass Valley war. Florian Rettich von ARRI hat im Vorfeld selbst gesagt, man sei "the newbies in this game". Ehrlicher kann man es kaum formulieren.
Aus dieser Perspektive ist die Sache differenziert zu sehen. Über die ganze Sendestrecke betrachtet hat das Setup funktioniert, und der filmische Look der Show war für viele Zuschauer der visuelle Hauptunterschied zu früheren ESCs. Dass über mehrere Stunden Live-Sendung mit 24 großformatigen Kinokameras nichts Größeres passiert ist, ist für eine Premiere dieser Größenordnung tatsächlich respektabel.
Andererseits: Die eine Panne, die passiert ist, ist genau die, an die sich alle erinnern werden. Und sie traf ausgerechnet eine der mobilen RF-Positionen, also dort, wo Cinema Broadcasting am verwundbarsten ist. Box-Kameras auf Pumpe sind eingespielte Technik, da fällt nichts vom Himmel. Aber RF-Kameras in einer engen Spiegelinszenierung, mit drahtloser Übertragung, im LED-Wand-Umfeld und mit einem Operator unter Bewegungsstress, das ist die Disziplin, in der sich entscheidet, ob ein neuer Workflow live-tauglich ist.
Es bleibt offen, ob die Ursache am Ende ein klassisches mechanisches Problem (Sturz, Kollision, beschädigter Sender) war, das jedem beliebigen Kamerasystem hätte passieren können, oder ob da etwas Systemisches dahintersteht, das speziell mit der ALEXA-35-Live-Integration zu tun hat. Beides hätte sehr unterschiedliche Konsequenzen für die Lesart der Premiere. Ein einfacher Schaden am Funklink wäre Pech. Ein wiederkehrendes Integrations- oder Synchronisationsproblem wäre eine Baustelle.
Was bleibt
Solange ORF, NEP, ARRI und Riedel sich nicht dazu äußern, bleibt vieles Spekulation. Sollte ein offizielles Post-Mortem kommen (in der Vergangenheit haben sich gerade NEP und Hersteller bei vergleichbaren Vorfällen erfreulich offen positioniert), wäre das ein wertvoller Lerneffekt für die ganze Branche. Cinema Broadcasting ist ein Trend, der auch in unserem klassischen Broadcast-Umfeld an Boden gewinnen wird, ob wir wollen oder nicht. Und genau deshalb ist es wichtig, solche Premieren nicht nur zu beklatschen oder zu zerreißen, sondern technisch sauber nachzuvollziehen.
Mich würde brennend interessieren: Hat einer von euch das Material auch noch mal frame-genau analysiert? Wer kann zur Frage Easyrig oder Steadicam aus dem Wiener Crew-Umfeld mehr beitragen? Und gibt es jemanden mit direktem Kontakt zur ESC-Produktion, der vielleicht etwas zur tatsächlichen Ursache beisteuern kann?
Wenn neue Informationen reinkommen, lohnt sich ein Update dieses Threads.