Vorbemerkung 2026: Dieser Beitrag stammt aus dem Jahr 2008 und beschreibt die Praxis an Röhrenmonitoren. Die Arbeitsschritte gelten unverändert, einzelne Bedienelemente heißen an heutigen Geräten anders oder sind entfallen. Wo das der Fall ist, steht ein Hinweis. Zum Schwarzwert gibt es inzwischen einen ausführlichen eigenen Beitrag über die PLUGE-Methode.
Schwarzwert und Weißwert
Die Einstellung erfolgt stets mit Hilfe des Farbbalkens (Color Bars). Welcher Balken anliegt, ist dabei nicht gleichgültig, dazu gleich mehr.
Zuerst wird mit dem Helligkeitsregler (Brightness) der Schwarzwert eingestellt. Schwarz ist kein Wert, den man nach Gefühl trifft, sondern eine Grenze, die man im Vergleich findet. Dafür muss das Testsignal Stufen unterhalb und oberhalb des Schwarzpegels enthalten, und genau die liefert die PLUGE-Gruppe. Sie steckt im SMPTE-Balken und im HD-Balken nach RP 219, den die meisten Broadcast-Kameras ausgeben, im reinen EBU-Balken dagegen nicht. Die Regel lautet: die Helligkeit so weit zurücknehmen, dass die Stufe unterhalb des Schwarzpegels gerade verschwindet, die Stufen oberhalb aber eben sichtbar bleiben.
Steht nur ein EBU-Balken ohne PLUGE-Gruppe zur Verfügung, bleibt als Behelf: die Helligkeit so weit aufdrehen, bis der schwarze Balken sichtbar aufhellt, und dann zurückdrehen, bis er gerade wieder zuläuft. Das ist brauchbar, aber kein Abgleich. Es hängt vom Umgebungslicht und vom eigenen Auge ab und ist von Tag zu Tag nicht wiederholbar.
Anschließend erfolgt mit dem Kontrastregler (Contrast) die Einstellung der Verstärkung (Gain) unter Beobachtung der Weißfläche. Am Suchermonitor ist diese an die hellste Lichtquelle beziehungsweise leuchtende Fläche anzupassen, also an die maximale Umgebungsleuchtdichte. Das ist eine Faustregel aus der Praxis, keine Norm: Sie sorgt dafür, dass der Sucher zum Adaptionszustand des Auges passt. Gegebenenfalls ist der Vorgang zu wiederholen, bis eine optimale Abstimmung gefunden ist, denn die beiden Regler beeinflussen sich gegenseitig.
Die Einstellung des Suchermonitors muss bei jedem Drehortwechsel mit veränderten Lichtverhältnissen erfolgen, da sich das Auge an die Umgebungsleuchtdichte anpasst, der Monitor aber nicht. Betroffen ist dabei der Kontrastregler. Der einmal gefundene Schwarzwert bleibt stehen. Da der verantwortliche Kameramann das Bild im Sucher nach belichtungstechnischen Aspekten beurteilen und abnehmen muss und sich seine Augen durch eine ganz individuelle Lichtempfindlichkeit von anderen unterscheiden, ist es unabdingbar, dass er die Einstellung des Suchers für seine speziellen Erfordernisse selbst vornimmt.
Zusätzlich beim Farbmonitor
Im ersten Schritt wird die Farbe komplett herausgenommen. Dies geschieht entweder am Chromaregler oder am so genannten COLOR-OFF-Schalter. Außerdem bringen wir den Monitor in den Underscan-Modus, wodurch wir das gesamte Kamerabild und einen Teil des Kaschs sehen können.
Nun erfolgt die Einstellung von Schwarzwert und Weißwert wie oben beschrieben. Erst danach kommt die Farbsättigung an die Reihe. Dafür gibt es zwei gebräuchliche Verfahren: die schnelle BLUE-ONLY-Variante und die genauere, aber zeitaufwendigere Lupen-Variante.
BLUE-ONLY-Variante
Nachdem die COLOR-OFF-Schaltung wieder deaktiviert wurde, schalten wir in den BLUE-ONLY-Status. Der Monitor zeigt dann nur noch den Blauauszug. Sichtbar bleiben die Balken mit Blauanteil, also Weiß, Cyan, Magenta und Blau. Gelb, Grün, Rot und Schwarz laufen zu. Vor uns liegen damit vier helle Balken, jeweils durch eine dunkle Fläche getrennt.
Die Farbsättigung wird nun am Chromaregler so eingestellt, dass Cyan, Magenta und Blau gleich hell erscheinen und die dunklen Flächen dazwischen gleichmäßig dunkel bleiben. Der Weißbalken bleibt außen vor, er liegt im EBU-Balken bei 100 Prozent und damit systembedingt höher. Im 75-Prozent-Balken nach SMPTE und im HD-Balken nach RP 219 liegt auch Weiß bei 75 Prozent, dort passen alle vier zusammen.
Beim SMPTE-Balken gelingt der Abgleich genauer, weil dort unter jedem Balken ein schmaler Streifen mit vertauschter Farbfolge liegt. Bei richtiger Sättigung verschmelzen Balken und Streifen zu einer durchgehenden Fläche ohne sichtbare Trennlinie. Der EBU-Balken hat diesen Streifen nicht, dort bleibt nur der Helligkeitsvergleich von Cyan, Magenta und Blau untereinander.
Einen Phasenregler für den Farbton sucht man an PAL-Monitoren in der Regel vergebens, das System gleicht Phasenfehler selbst aus. Bekommt man die drei Balken trotz sauberer Sättigung nicht auf ein Niveau, liegt die Ursache eher in der Zuspielung als am Monitor.
Abschließend ist der BLUE-ONLY-Status wieder zu deaktivieren und das nun vorliegende unverfälschte Farbbalken-Bild endgültig vom lichtsetzenden Kameramann auf seine Wiedergabetreue abnehmen zu lassen. Ein nachträgliches Verstellen eines Reglers am Monitor kann erhebliche Auswirkungen auf die Bildbeurteilung und damit auf die Bildaufnahme haben.
Lupen-Variante
Hier wird nach Beendigung der Schwarz-Weiß-Einstellungen die Farbsättigung so weit erhöht, dass im Magentabalken gerade keine grünen Punkte mehr wahrzunehmen sind. Der Balken wird dabei mit einer Lupe beobachtet, in Ermangelung derselben tut es auch die extubierte Sucherlupe des Viewfinders. Auch hier muss das Endergebnis vom lichtsetzenden Kameramann abgenommen werden, da er allein die Verantwortung für das aufgenommene Bild trägt.
Das Verfahren stammt aus der Röhrenzeit und zielte auf die Leuchtpunkte der Lochmaske. Der Gedanke dahinter trägt auch an heutigen Panels, denn Magenta besteht aus Rot und Blau, der grüne Subpixel bleibt dunkel. In der Praxis wird an modernen Monitoren aber über Blue Only oder gleich über eine Messung abgeglichen.
Was sich seit 2008 geändert hat
- Reine Schwarz-Weiß-Sucher sind aus dem Alltag verschwunden. Die Einstellung von Schwarzwert und Weißwert gilt trotzdem unverändert, sie betrifft heute nur eben den Farbsucher.
- Underscan war an Röhrenmonitoren nötig, weil das Bild über den sichtbaren Rand hinauslief. Heutige Panels stellen das Signal von Haus aus punktgenau dar, die Umschaltung entfällt oder heißt anders.
- Der Regler mit der Aufschrift Brightness steuert an vielen Panels die Hintergrundbeleuchtung, nicht den Schwarzwert. Der versteckt sich dann hinter Black Level oder im Servicemenü.
- Bildverbesserer, dynamischer Kontrast und lokales Dimmen gehören vor jedem Abgleich aus. Sonst stellt man gegen eine Regelschleife ein.
- Für den Schwarzwert hat sich die PLUGE-Methode durchgesetzt, im HD-Betrieb mit dem Testbild nach SMPTE RP 219. Wie das im Einzelnen funktioniert, steht im verlinkten Beitrag.