Startseite Nachrichten Ausbildung & Beruf Aktion "Faires Geld für Bild und Ton"
Donnerstag, 23. Februar 2012
Aktion "Faires Geld für Bild und Ton" PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Arnulf Dietzmann, BVFK   
Samstag, den 07. Januar 2012 um 15:00 Uhr

Unter diesem Motto rief gestern der Bundesverband der Fernsehkameraleute e.V. anlässlich des Feiertags "Heilige Drei Könige" die freien Kamerateams in Bayern und Baden-Würtemberg dazu auf exemplarisch einen Feiertagszuschlag in Höhe von 100% des Honorars zu fordern – genau so, wie es in den Tarifverträgen für festangestellte Kameraleute vereinbart ist.

Zu einem bild- und medienwirksamen Umzug durch die Münchener Innenstadt versammelten sich gestern Nachmittag rund 80 Teilnehmer, darunter 20 mit Kamera und Ton-Angel bewaffnete EB-Teams. Ziel des inszenierten Presserummels um drei als "Heilige Könige" Verkleidete war Aufmerksamkeit zu erregen und auf die seit Jahren stagnierenden Honorare hinzuweisen, mit denen freiberuflich tätige Kameraleute und Assistenten seit 20 Jahren zu kämpfen haben.

Etliche neugierige Passanten begleiteten den Demonstrationszug vom Sendlinger Torplatz zum Rindermarkt und zeigten sich überrascht angesichts der dramatischen Lage der freien Kamerateams, welche die täglichen Bilder für Nachrichtensendungen und Magazinbeiträge liefern.

Im Anschluss an den Umzug lud der BVFK zu einer Podiumsdiskussion in den Münchner PresseClub ein, auf der unter anderem Ertunc Eren von connex.av und Dietmar Lyssy einem interessierten Publikum die aktuelle Situation darstellten, letzterer aus Produzentensicht. Der extra aus Köln angereiste Stefan Nowak beeindruckte mit einer ausführlichen Betrachtung über die Frage nach der Herkunft von Lebensmitteln, Kleidung und Bildern und stellte mit Belegen die Verteilung von vorhandenen Budgets in Frage. Dafür gab es brausenden Applaus. Moderator Wolfgang Nadvornik band auch den anwesenden Produzenten gut ein, der mit den Aspekten Leidenschaft und Qualität die Diskussion sehr bereicherte. Wolfgang Hannemann und Gerald Fritzen waren als Vertreter des BVFK-Vorstands dabei. Den Veranstaltern war es nach eigener Aussage wichtig und auch gelungen, klarzumachen, dass Kameraleute, Tonleute und die Produzenten im selben Boot sitzen und gemeinsam die besten Chancen haben, die Sender zu einem Umdenken zu bewegen.



Hintergrund der Aktion:

Ein Grundproblem sind die zu knappen Budgets, die die Sender für TV-Produktionen zur Verfügung stellen. Gleichzeitig zwingen sie mit immer neuen Anforderungen nach neuer Kameratechnik und Zubehör freie Kameraleute zu regelmäßigen Investitionen in immer kürzeren Abständen. Dabei steht vielen oft nicht einmal genügend Einkommen zur Verfügung um eine Familie zu ernähren, geschweige denn, eine Rente zu finanzieren. Altersarmut ist vorprogrammiert. Im Krankheitsfall oder bei Arbeitslosigkeit tauchen selbstständige Kameraleute in keiner Statistik auf und werden dann automatisch zu Hartz-4-Empfängern.

Viele weitere Aspekte, wie Versicherungen, Rechtsschutz und die Notwendigkeit eines funktionierenden Informationsaustausches wurden erörtert. Die Wichtigkeit eines definierten Berufsbildes und eines beruflichen Selbstbewusstseins wurde besonders hervorgehoben. Der BVFK bietet seit 2009 die dafür nötigen Strukturen. Das Ziel ist ein Dialog und eine vernünftige Koexistenz von Auftraggebern, Senden und Kameraleuten.


Inszenierter Presserummel ...

... um die Heiligen Drei Könige

Podiumsdiskussion im PresseClub


Fotos: Kersten Hüttner


/ Update 30.01.2012