Unter diesem Motto rief gestern der Bundesverband der Fernsehkameraleute e.V. anlässlich des Feiertags "Heilige Drei Könige" die freien Kamerateams in Bayern und Baden-Würtemberg dazu auf exemplarisch einen Feiertagszuschlag in Höhe von 100% des Honorars zu fordern – genau so, wie es in den Tarifverträgen für festangestellte Kameraleute vereinbart ist.
Zu einem bild- und medienwirksamen Umzug durch die Münchener Innenstadt versammelten sich gestern Nachmittag rund 80 Teilnehmer, darunter 20 mit Kamera und Ton-Angel bewaffnete EB-Teams. Ziel des inszenierten Presserummels um drei als "Heilige Könige" Verkleidete war Aufmerksamkeit zu erregen und auf die seit Jahren stagnierenden Honorare hinzuweisen, mit denen freiberuflich tätige Kameraleute und Assistenten seit 20 Jahren zu kämpfen haben.
Etliche neugierige Passanten begleiteten den Demonstrationszug vom Sendlinger Torplatz zum Rindermarkt und zeigten sich überrascht angesichts der dramatischen Lage der freien Kamerateams, welche die täglichen Bilder für Nachrichtensendungen und Magazinbeiträge liefern.
Im Anschluss an den Umzug lud der BVFK zu einer Podiumsdiskussion in den Münchner PresseClub ein, auf der unter anderem Ertunc Eren von connex.av und Dietmar Lyssy einem interessierten Publikum die aktuelle Situation darstellten, letzterer aus Produzentensicht. Der extra aus Köln angereiste Stefan Nowak beeindruckte mit einer ausführlichen Betrachtung über die Frage nach der Herkunft von Lebensmitteln, Kleidung und Bildern und stellte mit Belegen die
Verteilung von vorhandenen Budgets in Frage. Dafür gab es brausenden Applaus. Moderator Wolfgang Nadvornik band auch den anwesenden Produzenten gut ein, der mit den Aspekten Leidenschaft und Qualität die Diskussion sehr bereicherte.
Wolfgang Hannemann und Gerald Fritzen waren als Vertreter des BVFK-Vorstands dabei. Den Veranstaltern war es nach eigener Aussage wichtig und auch gelungen, klarzumachen, dass Kameraleute, Tonleute und die Produzenten im selben Boot sitzen und gemeinsam die besten Chancen haben, die Sender zu einem Umdenken zu bewegen.
Hintergrund der Aktion:
Ein Grundproblem sind die zu knappen Budgets, die die Sender für TV-Produktionen zur Verfügung stellen. Gleichzeitig zwingen sie mit immer neuen Anforderungen nach neuer Kameratechnik und Zubehör freie Kameraleute zu regelmäßigen Investitionen in immer kürzeren Abständen. Dabei steht vielen oft nicht einmal genügend Einkommen zur Verfügung um eine Familie zu ernähren, geschweige denn, eine Rente zu finanzieren. Altersarmut ist vorprogrammiert. Im Krankheitsfall oder bei Arbeitslosigkeit tauchen selbstständige Kameraleute in keiner Statistik auf und werden dann automatisch zu Hartz-4-Empfängern.
Viele weitere Aspekte, wie Versicherungen, Rechtsschutz und die Notwendigkeit eines funktionierenden Informationsaustausches wurden erörtert. Die Wichtigkeit eines definierten Berufsbildes und eines beruflichen Selbstbewusstseins wurde besonders hervorgehoben. Der BVFK bietet seit 2009 die dafür nötigen Strukturen. Das Ziel ist ein Dialog und eine vernünftige Koexistenz von Auftraggebern, Senden und Kameraleuten.
Wie gestern Abend bekannt wurde, tritt Hans-Joachim Esser-Mamat von seiner Funktion als 1. Vorsitzender des Bundesverbandes der Fernsehkameraleute zum 31.12.2011 zurück. Eine erste offizielle Stellungnahme des Vorstands zum überraschenden Rückzug Esser-Mamat's erreichte uns heute schriftlich.
Der mit 114 Zugängen, allein in 2011, stetig wachsende Verband mit inzwischen über 350 Mitgliedern und damit zunehmenden Aktivitäten erfordert wachsende Kapazitäten und eine kontinuierlich verbesserte Struktur.
In seiner Doppelfunktion als 1. Vorsitzender und Geschäftsführer der IFFMA war die Bewältigung der Aufgaben nicht mehr zu leisten, so dass sich Vorstand und 1.Vorsitzender zu einer einvernehmlichen Trennung entschlossen haben.
Die Position wird bei der nächsten, zeitnahen Mitgliederversammlung durch Wahl neu besetzt.
Interimsweise wird der Leiter der Arbeitsgemeinschaft Aus und Weiterbildung, Frank Trautmann in den Vorstand kooptiert, der die Geschäfte mit dem 2. Vorsitzenden Wolfgang Hannemann und dem Kassierer Sven Schaale weiter führt.
Der Vorstand bedankt sich bei Hans-Joachim Esser-Mamat für seine in den letzten drei Jahren geleistete Pionierarbeit beim Aufbau unseres Verbandes und wir freuen uns, dass er auch in Zukunft mit seinem Wissen und Rat den Verband unterstützen wird.
Auch in diesem Jahr gab es wieder Gewinner beim 21. Deutschen Kamerapreis, denen wir hiermit herzlich gratulieren wollen.
Ganz besonders freuen wir uns für unseren WDR-Kollegen Jürgen Dahlhoff, der die begehrte Auszeichnung nach 2001 und 2009 nun bereits zum dritten Mal erhält. In der Kategorie Bericht/Reportage entschied sich die Jury in diesem Jahr für die Reportage "Mein schöner kleiner Waschsalon" aus der WDR-Reihe "hier und heute" und begründet ihre Wahl damit, dass es dem Kameramann gelungen ist, "über 30 Minuten packende und skurril schöne Bilder zu finden. Dabei gelingt es ihm, in einer einzigen Location mit perfekten Einstellungen, kreativen Perspektiven und dem exzellenten Spiel mit Schärfen immer das ideale Bild zu finden und den Detailreichtum im Alltäglichen zu entdecken. Die Kamera verschwindet bisweilen aus der Wahrnehmung und schafft dadurch eine unkomplizierte Nähe und Intimität zu den Protagonisten."
Auch Laudator Frank Plasberg würdigt den Preisträger, der für die Dreharbeiten übrigens neben einer großen "Mühle" auch eine Spiegelreflexkamera (vermutlich die Canon 5D Mark II) einsetzte, mit den Worten: "Man muss technisch sehr präzise arbeiten, um mit dieser kleinen Kamera so tolle Bilder hinzukriegen."
Zwei weitere in unserem aktuell/dokumentarischen Kontext nennenswerte Auszeichnungen gingen zum einen in der Kategorie Dokumentarfilm/Dokudrama an Dokumentarfilmer Rainer Maria Schulz für seine Kameraarbeit im Film "Wadans Welt" und zum anderen in der Rubrik "Sonderpreis des Kuratoriums" an das Terra-X-Team "Deutschland von oben".
Fernseh-Kameraleute.de gratuliert dem Gewinner des diesjährigen 20. Deutschen Kamerapreises in der Kategorie Bericht/Reportage. Für seinen Beitrag "37 Grad – Leben auf kleinstem Fuß" erhielt Mirko Schernickau die begehrte Auszeichnung, die am Sonntagabend in Köln verliehen wurde. Die Jury begründete ihre Wahl damit, dass die von Mirko Schernickau geführte Kamera in Bildausschnitt, Lichtstimmung und Farbgebung das Schicksal und die Gefühle dieser Familie in einem hochemotionalen Film exzellent transportiert. Die Kameraarbeit gibt dem Film eine hohe Intensität und führt den Zuschauer sehr nah an die Protagonisten heran.
Die Gewinner des 19. Deutschen Kamerapreises stehen fest und wurden am vergangenen Sonntag im Rahmen des medienforum.nrw in der Kölner Vulkanhalle im gewohnten festlichen Rahmen geehrt. Es wurden insgesamt zehn Kameraleute und Cutter ausgezeichnet und wir freuen uns ganz besonders für unseren Fernsehkollegen und gratulieren ihm hiermit ganz herzlich zu dieser verdienten Ehrung.
Den Deutschen Kamerapreis 2009 in der Kategorie "Bericht / Reportage" erhielt:
Jürgen Dahlhoff für die Reportage "Unsere Vertreibung 1968 – Der Weg der polnischen Juden"
Die Autorin des Films übernahm die Laudatio und war zugleich die Person, welche von Jürgen Dahlhoff in Polen mit seiner Kamera begleitet wurde. Lidia Drozdzyski sagt über seine Kameraarbeit:
"Der Titel mutet sehr ernst und schwer an. Doch die Bilder , die diese Geschichte erzählen, sind voller Poesie, Liebe zu den Protagonisten, und kommen mit so einer melancholischen Leichtigkeit daher. Ich habe Jürgen Dahlhoff als einen Mann kennen gelernt, der seine Bilder eigentlich nicht künstlich gestaltet. Er läßt ihnen einen freien Lauf. Sie sind natürlich. Die sind nicht ausgeleuchtet. So fühlt er sich glaub ich am besten.
Ich möchte ihnen eine kleine Geschichte aus Warschau erzählen. Und zwar eine Szene. Ein kleiner Raum. Ein sehr kleiner Raum, dadrin drei Personen. Wir unterhalten uns polnisch. Jürgen versteht kein einziges Wort. Er tanzt mit der Kamera um uns herum, folgt den Gesten, der Mimik, er spürt Stimmungen auf. Und dann die Aufnahmen. Dramaturgisch gesehen auf den Punkt genau. Und die Wirkung dieser Bilder habe ich zum ersten Mal gemerkt, als wir das Material mit unserer Cutterin gesichtet haben. Und sie heulte dabei, weil sie von diesen Bildern so berührt war - von ihrer Ästhetik."